Tourismus. Ein Drittel der Betriebe wird nicht überleben, meint ÖW-Chef Oberascher.
Der Sommertourismus krankt. Welches Rezept verschreibt der Chef der Österreich Werbung dem Patienten?
Oberascher: Ich glaube, es ist notwendig, dass der österreichische Sommertourismus wieder etwas Besonderes wird. Man sollte ihn sich weniger oft leisten können.
Heißt das, wir wollen weniger, aber dafür betuchte Gäste?
Oberascher: Das soll heißen, dass die Kraft Österreichs in der Qualität liegt. Je teurer ich etwas verkaufe, desto höher die Wertschöpfung. Im Winter sind wir etwas Besonderes. Die Leute wissen in der Früh, wie der Tag strukturiert ist, was passiert: Zuerst Skifahren oder Langlaufen, dann Après-Ski, dann Wellness. Im Sommer ist das nicht so klar. Man versteht das österreichische Sommer-Produkt nicht. Da haben wir in der Vergangenheit Fehler gemacht.
Was könnte man besser machen?
Oberascher: Österreich ist im Sommer keine Konkurrenz von ,Sun and Beach'. Wenn man das sein will, kann man die Zimmer höchstens im Juli und August vermieten und man vernachlässigt den Vorsommer. Wichtig wäre, auch den Frühsommer und den Herbst besser auszuschöpfen. Viele Hoteliers sind defensiv. Sie sperren in der Vorsaison zu, anstatt sich zu bemühen, die Betten zu vermarkten.
Aber was soll ein Tourist im Frühsommer oder im November in Österreich tun?
Oberascher: Es gibt so viel, das ich in Österreich herzeigen kann. Dabei könnten wir uns mit relativ wenig Aufwand besser vermarkten. Man müsste viel bessere Ausflugsprodukte anbieten. Zu den Schlössern, den Seen könnte man Touren in Kleinbussen anbieten. Ich war jetzt in Schottland. Dort hatte es Temperaturen wie im November, trotzdem haben sie fünf Mill. Gäste. Alles eine Frage der Vermarktung. Nur das Fähnchen "Zimmer frei" raushängen, und zu warten, ist heute eben zu wenig.
Jetzt wird ja in keiner Branche so viel gejammert wie im Tourismus. .
Oberascher: Stimmt nicht, die Bauern jammern mehr.
Gut, aber der Tourismus ist dann mindestens auf Platz zwei, oder?
Oberascher: Es ist ein Jammern auf hohem Niveau. Jammern tun nur die, die hilflos sind. Jene, die genug zu tun haben, jammern eh nicht. Und interessanterweise jammern weniger die Betriebe, sondern vor allem die Tourismusorganisationen.
Warum vermarkten sich viele Betriebe nur im Hochsommer?
Oberascher: Vor allem bei den Klein- und Mittelbetrieben fehlt noch ein gewisses Maß an Leidensdruck. Es gibt auch zu wenig Hotels, die sich zusammentun, um größere Einheiten zu bilden. Ich brauch nicht in jedem 70-Betten-Betrieb eine eigene Küche.
Wie sehen Sie die Zukunft der österreichischen Tourismusbetriebe?
Oberascher: Es gibt ein Drittel, das sehr gut ist. Die brauchen uns gar nicht. Ein Drittel ist motivierbar und wird es schaffen. Und ein Drittel wird es nicht schaffen, wird weg brechen. Das ist aber Teil des normalen Strukturwandels.
Dabei sollte man meinen, dass die weltweite Verunsicherung, die Terrorangst, dazu führen, dass viele Österreicher wieder Urlaub im eigenen Land machen. . .
Oberascher: Das wird nach den schrecklichen Ereignissen heuer vermutlich der Fall sein. Aber insgesamt wird es im Tourismus keinen sogenannten "Cocooning-Effekt" geben, also dass jeder am liebsten daheim bleibt. Bill Clinton hat gesagt, Tourismus
sei das größte Friedensprojekt. Das glaube ich auch. Tourismus fördert das Verständnis der Kulturen.
Wie wird denn aus Ihrer Sicht das Ergebnis des Sommers sein?
Oberascher: Ich bin sicher, dass wir ein Umsatzplus erreichen werden.
Und was nimmt sich die Österreich Werbung vor?
Oberascher: Mehr als nur Österreich Werbung zu machen.