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Inserate beeinflussen Berichte

Symbolbild
(c) Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
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Über Politiker, die häufig in "Heute" und "Österreich" inserieren, wird in diesen Medien auch positiver berichtet. Das belegt eine Studie.

Wien/Red. Wer tief in die Tasche greift und häufig in den österreichischen Boulevardblättern inseriert, der wird auch gut behandelt. Die finanzielle Unterstützung entscheidet also über die Berichterstattung. Vorgeworfen wird das dem Boulevard schon lange, wissenschaftlich bestätigt war das bisher noch nicht. Nun fanden die Politikwissenschaftler Lore Hayek und Günther Lengauer von der Uni Innsbruck heraus, dass es in manchen Tageszeitungen sehr wohl signifikante Zusammenhänge zwischen dem Anzeigevolumen und der Bewertung der Parteien bzw. einzelner Politiker gibt.

Unter dem Arbeitstitel „Machen Inserate den Ton?“ haben die beiden Wissenschaftler den Nationalratswahlkampf 2008 in österreichischen Tageszeitungen untersucht. Augenmerk wurde auf das Inseratevolumen und den Inhalt der redaktionellen Berichte gelegt. Ein besonders deutlicher Zusammenhang zwischen Geldfluss und Berichterstattung zeigt sich demnach bei der Gratiszeitung „Heute“. SPÖ und FPÖ haben am meisten in diesem Medium inseriert. Ihre Spitzenkandidaten waren es auch, die überdurchschnittlich gut bewertet wurden. Doch nicht nur dem jeweiligen Spitzenkandidaten, sondern auch der Partei insgesamt dürften die Inserate geholfen haben, das zeigen Auswertungen. Auffallend ist, dass über die ÖVP trotz hohem Inseratevolumen tendenziell weniger gut berichtet wurde.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Wissenschaftler auch, was das Boulevardblatt „Österreich“ betrifft. Der damalige Spitzenkandidat der Grünen, Alexander Van der Bellen, schaltete die wenigsten Inserate in dieser Zeitung. Das Ergebnis: Er wurde in der redaktionellen Berichterstattung auch am schlechtesten bewertet.

Bei der „Kronen Zeitung“ ließen sich laut der Studie keine Zusammenhänge zwischen dem Geldfluss und der Berichterstattung erkennen. Beim „Kurier“ zeigte sich zwar kein Zusammenhang, was die Berichterstattung über die Spitzenkandidaten betrifft, jedoch bestehe ein Zusammenhang, was die Berichterstattung über die Parteien betrifft, so das Ergebnis. In der „Presse“ wurden keine Hinweise einer Beeinflussung festgestellt. Das trifft auch auf den „Standard“ zu.

 

Einfluss auch durch ideologische Nähe

Allerdings warnen die Wissenschaftler davor, ihre Ergebnisse überzubewerten. Auf die Berichterstattung würden viele verschiedene Aspekte einwirken. Eine große Rolle spielten dabei die Blattlinie wie auch die gesellschaftspolitische Ausrichtung.

Das ist auch den Parteien selbst bewusst. Dass FPÖ und BZÖ beispielsweise nicht im „Standard“ inserieren, habe auch damit zu tun, dass sie sich wegen der linksliberalen Ausrichtung der Zeitung weder Zuspruch von der Leserschaft noch von den Redakteuren erwarten. Im Umkehrschluss heißt das: Sind sich die Zeitung und die Partei gesellschaftspolitisch nahe, so werden dort wahrscheinlich auch häufiger Inserate von der jeweiligen Partei erscheinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)