USA/Israel: Obama zeigt Netanjahu die kalte Schulter

ObamaNetanyahu Einigkeit Umgang Iran
(c) Reuters (Kevin Lamarque)

Zuerst warf Israels Ministerpräsident Netanjahu US-Präsident Obama vor, "keine rote Linie" im Atomstreit mit dem Iran zu verfolgen, nun lehnt Letzterer ein gemeinsames Treffen ab. "Einig" sei man sich trotzdem.

Washington. Noch ehe ihn die Eskalation in Libyen und Ägypten in Beschlag nahm, versuchte Barack Obama einen anderen Konfliktherd im Nahen Osten via Telefondiplomatie zu lösen. Das einstündige Telefonat mit Israels Premier Benjamin Netanjahu sollte die Differenzen zwischen Washington und Jerusalem in der Iran-Politik ausräumen. Beide Seiten betonten in einem Kommuniqué zunächst inhaltlich volle Übereinstimmung – bis der Konter aus Jerusalem die US-Diplomatie erneut brüskierte und ein Schlaglicht auf das angespannte persönliche Verhältnis zwischen Obama und Netanjahu warf.

Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, der israelische Premier habe nicht um einen Gesprächstermin beim US-Präsidenten angesucht, was Israel postwendend dementierte. Netanjahu wollte Obama am Rand der UN-Generalversammlung Ende September in New York treffen. Der US-Präsident wird sich wegen seines randvollen Wahlkampfkalenders nur kurz in New York aufhalten, sein Terminplan sieht deshalb kein Treffen mit einem ausländischen Führer vor. Daraufhin bot Netanjahu an, nach Washington zu reisen.

 

Israel fordert „rote Linien“

Die Kontroverse zwischen den USA und Israel über das iranische Atomprogramm hatte zuletzt neuen Zündstoff erhalten. Außenministerin Hillary Clinton erklärte, die USA würden Teheran keine militärische Frist setzen. Netanjahu polterte, wer keine „roten Linien“ gegenüber dem Iran ziehe, könne Israel auch kein „rotes Licht“ für einen Militärschlag signalisieren.

Seit Monaten schwebt die Option eines Angriffs Israels über dem US-Wahlkampf. Die jüngsten Spannungen befeuern die Kampagne Mitt Romneys, eines Netanjahu-Freundes seit gemeinsamen Tagen bei der Firma Boston Consulting in den 1970er-Jahren. Washington würde Israel im Stich lassen, kritisiert Romney.

(Red./APA/AFP)