Niedrigere Spotmarktpreise werden nicht an Konsumenten weitergegeben, so der Autofahrerklub Arbö.
Wien. Die Rohölpreise sinken seit geraumer Zeit - mit kurzfristigen Ausnahmen - schön kontinuierlich. Auch die Produktenpreise für Treibstoffe weisen am Rotterdamer Spotmarkt nach unten. Erfreuliche Nachrichten für die Autofahrer, würde man meinen. Nicht so in Österreich: "Die Mineralölkonzerne haben die internationale Preisentwicklung nicht vollständig an die Konsumenten weitergegeben", wettert der Generalsekretär des Autofahrerklubs Arbö, Rudolf Hellar. "Die Treibstoffpreise müssen runter", fordert er.
Hellar untermauert seine Forderung mit Zahlen. Demnach sinken die Preise für eine Tonne Diesel am Rotterdamer Spotmarkt seit dem 22. April - von einigen kurzfristigen Ausreißern abgesehen - stetig. 550 Dollar kostete eine Tonne Diesel noch am 22. April. Ende der vergangenen Woche waren es nur mehr 483,75 Dollar, also um rund zwölf Prozent weniger. An den 750 vom Arbö beobachteten heimischen Tankstellen schlug sich die Verbilligung allerdings bloß mit durchschnittlich 2,5 Prozent nieder. Hellar: "Unter Berücksichtigung der hohen Steuern in Österreich hätte es in dem Zeitraum jedenfalls zu einer Verbilligung von vier Prozent kommen müssen." Preissenkungen um weitere 1,4 Cent je Liter wären also noch drin, meint er.
Bei Eurosuper sei die Schere zwischen Spotmarkt- und Tankstellenpreisen noch größer: Seit dem 25. April sind die Preise am Rotterdamer Spotmarkt um 14,3 Prozent gesunken, an den Zapfsäulen kam es aber bloß zu einer Verbilligung um 1,5 Prozent. Laut Arbö müssten die Eurosuper-Preise in Österreich um weitere drei Cent gesenkt werden.
Eine Forderung, die von den Mineralölkonzernen natürlich zurückgewiesen wird. Alexander Hareter, Pricing-Manager bei BP Austria, verweist etwa auf die Tatsache, dass die österreichischen Dieselpreise derzeit netto um nur 2,2 Cent über dem europäischen Durchschnitt liegen. "Das ist innerhalb der Toleranzgrenze", befindet er. Die Preise an den Zapfsäulen würden jedenfalls laufend gesenkt und bei vorübergehenden Verteuerungen am Spotmarkt auch nicht erhöht - "das wird vielleicht nicht von allen registriert". Die OMV lehnt Stellungnahmen zum Thema Benzinpreise ab und verweist auf den Fachverband der Mineralölindustrie.
Interessant ist freilich ein weiterer Vergleich, den der Arbö macht: Ende Februar waren die Spotpreise für Diesel auf dem gleichen Niveau wie heute. An den österreichischen Zapfsäulen war der Liter freilich mit 0,861 Euro billiger zu haben als derzeit (0,915 Euro). Und ein Liter Eurosuper kostete Mitte März - bei gleichen Spotmarktpreisen wie heute - bloß 0,950 Euro (derzeit: 0,998 Euro). BP-Manager Hareter dazu: "Wir sind halt auch unseren Aktionären verpflichtet."
Hellar ortet jedoch auch einen weiteren Grund für die gegenwärtige Hochpreis-Politik der Mineralölgesellschaften: "Im Mai werden die Preise gerne hochgehalten, weil es viele lange Wochenenden gibt. Da sind die Österreicher oft mit den Autos unterwegs. Eine Verbilligung erst Tage später weiterzugeben, kann sich für die Tankstellen schon bezahlt machen." Laut Arbö sei etwa am vergangenen Pfingst-Wochenende so agiert worden.
In der Branche warten jedenfalls schon alle ganz gebannt auf eine Studie, die Ende Juni erscheinen soll: Im vergangenen Jahr hat der Wiener Ölbroker PVM Oil Associates vom Wirtschaftsministerium den Auftrag erhalten, den österreichischen Kraftstoffmarkt genauestens unter die Lupe zu nehmen. Geklärt werden soll, ob die Höhe der heimischen Treibstoffpreise, die netto über dem europäischen Durchschnitt liegen, gerechtfertigt ist. Kostenpunkt der Studie: immerhin rund 100.000 Euro.