Sparen. Ein Bausparvertrag wird 2013 wohl nur mit einem Prozent verzinst werden. Das ist im aktuellen Umfeld nicht schlecht, aber langfristig droht ein realer Verlust.
Wien/Ker. Schon bald wird es für heimische Bausparkunden ernst. In knapp zwei Monaten wird sich nämlich entscheiden, welche Verzinsung Bausparer im kommenden Jahr erhalten. Das Ergebnis dürfte diesmal nicht allzu überraschend sein. Denn für 2013 wird es lediglich die minimale Verzinsung von einem Prozent geben. Das klingt zunächst etwas lächerlich. Ist es aber nicht. Zumindest nicht im aktuellen Umfeld. Aber in den nächsten Jahren kann es schlimmer kommen für die Bausparer.
• Was bringt eine Bausparverzinsung von einem Prozent?
Ein Beispiel: Der Kunde hat einen Wüstenrot-Bausparer. 2013 ist sein zweites Vertragsjahr, er zahlt zum Jahresbeginn wieder 1200 Euro ein. Am Ende des Jahres 2013 hat er einen Ertrag von knapp 31 Euro bekommen. Die Steuer und Kosten sind abgezogen. Der Zinseszins-Effekt (also für das erste Vertragsjahr) und die staatliche Prämie von 18 Euro wurden dabei berücksichtigt.
• Was bedeutet dieser Ertrag aktuell?
Das ist ein ganz gutes Resultat. Vereinfacht gesagt entspricht das für 2013 einer Nettoverzinsung von mehr als 2,5 Prozent. Die Filialbanken können so hohe Zinssätze für ein Sparbuch derzeit nicht bieten. Im Gegenteil. Bei der Bank Austria, die Wüstenrot-Bausparverträge vertreibt, bekommt man für ein einjähriges Sparbuch einen Zinssatz von 0,75 Prozent. Nach Abzug der Steuer macht das eine Nettoverzinsung von knapp 0,55 Prozent. Also deutlich weniger, als der Bausparer für dieses Jahr abwirft (das Kapital auf dem Sparbuch ist dafür aber auch nur ein Jahr gebunden, Anm.). Ein Bausparvertrag hat hier zwei Vorteile: Er bietet eine minimale Verzinsung von einem Prozent. Und es gibt jährlich eine (steuerfreie) staatliche Prämie von 18 Euro.
• Wie schlägt sich ein Bausparvertrag langfristig?
Hier liegt die Krux. Die Verzinsung hängt von den Marktzinsen ab. Ein Bausparer bei Wüstenrot orientiert sich am europäischen Referenzzinssatz Euribor (zwölf Monate). Der liegt derzeit bei extrem niedrigen 0,75 Prozent. Der Zinssatz wird auch noch länger tief bleiben, solange die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik der niedrigen Zinsen fortsetzt. Wüstenrot nimmt Ende November den aktuellen Zwölf-Monats-Euribor und zieht davon 1,3 Prozentpunkte ab. Das Ergebnis entspricht der Verzinsung für das kommende Jahr. Aktuell ist die Lage klar: Für Bausparkunden wird es 2013 nur die garantierte Mindestverzinsung von einem Prozent geben. Das könnte auch in den nächsten Jahren so weiter gehen. Nicht nur, wenn der Euribor so niedrig bleibt. Sondern auch, wenn er wieder ansteigt.
Denn der Euribor müsste schon 3,3 Prozent erreichen, damit es für einen Bausparer wieder eine jährliche Verzinsung von zwei Prozent gibt. Von solchen Marktzinsen ist man aber noch weit entfernt. Vor allem dann, wenn man die Konjunkturprognosen liest. An höheren Zinsen wird die EZB daher länger nicht interessiert sein, vermuten viele Experten.
Im schlimmsten Fall, wenn die Zinsen mehrere Jahre lang so tief bleiben, könnte die effektive Nettorendite für Bausparer (bei einer Laufzeit von sechs Jahren) bei jährlich weniger als 1,5 Prozent liegen. Für Sparer würde das einen realen Verlust bedeuten.
• Welche Alternativen zu Bausparverträgen gibt es?
Es gibt nur eine bescheidene Alternative, zumindest bei Anlagen mit ähnlich geringem Risiko. Die Direktbanken schlagen sich im Zinswettbewerb derzeit noch recht tapfer. Für einjährige Sparbücher bieten sie Zinssätze von zwei Prozent. Das liegt deutlich über dem Zwölf-Monats-Euribor. Anleger könnten sich nun die Mühe machen, ihr Erspartes jedes Jahr zu „verschieben“ und spekulieren, dass die Direktbanken jedes Jahr Sparzinsen auszahlen, die um einen Prozentpunkt höher liegen als der Marktzins. Dann würden solche Sparbücher einen Bausparvertrag langfristig klar übertreffen.
Gegen solche Szenarien sträuben sich selbstverständlich die Vertreter der Bausparbranche. „Es ist eine Illusion zu glauben, dass solche Banken ewig so hohe Zinsen zahlen können. Die müssen das auf der anderen Seite wieder verdienen, also Kredite vergeben“, monierte Josef Schmidinger, Chef der sBausparkasse, im Sommer gegenüber der „Presse“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)