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Das Finanzministerium übersiedelt

Archivbild
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Stammsitz des Ministeriums in der Himmelpfortgasse wurde fünf Jahre lang renoviert. Anfang 2013 verlässt das Ministerium das Ausweichquartier in der Hinteren Zollamtsstraße im dritten Wiener Gemeindebezirk.

Wien. Monatelang war um eine Entscheidung gerungen worden – doch jetzt hat ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter ein Machtwort gesprochen: Das Finanzministerium, seit dem Jahre 2007 im Ausweichquartier in der Hinteren Zollamtsstraße im dritten Wiener Gemeindebezirk, übersiedelt wieder in die Innenstadt. Das frisch renovierte und modernisierte Winterpalais des Prinz Eugen in der Himmelpfortgasse wird im ersten Quartal 2013 wieder Stammsitz des Ministeriums.

Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit – dementsprechend schwierig ist die Entscheidungsfindung gewesen. Fünf Jahre lang war das Ministerium in der Hinteren Zollamtsstraße zu Hause, drei Finanzminister haben dort gewirkt: Wilhelm Molterer, Josef Pröll und Maria Fekter.

Und vor allem Fekter hat sich zuletzt im eigentlichen Provisorium mit 30.000 Quadratmeter Nutzfläche recht wohlgefühlt. Als zu Beginn des Sommers klar wurde, dass sich die Sanierungs- und Umbauarbeiten in der Himmelpfortgasse dem Ende zuneigen, kam ihr also ein gar ungewöhnlicher Gedanke: Rund 600 Mitarbeiter des Ressorts könnten ja, wie geplant, wieder in die Himmelpfortgasse übersiedeln. Die Ministerin hingegen könnte mit ihrem Kabinett in der Zollamtsstraße bleiben.

Daraus wird nun doch nichts, wie ihr Sprecher Gregor Schütze gestern der „Presse“ bestätigte: Es übersiedeln alle. Dass dies die beste Variante sei, habe ein interner Evaluierungsprozess gezeigt. Überdies habe auch der Rechnungshof die Übersiedlung empfohlen, und dem komme man gerne nach.

Doppelt so teuer wie geplant

Zumal sich die Renovierung als wahre Kostenbombe entpuppte: Im Jahre 2000 hatte der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Sanierung des architektonischen Juwels in der Himmelpfortgasse in die Wege geleitet. Die letzte Renovierung der Prunkräume hatte es in den Jahren 1967 bis 1973 gegeben, dieses Mal sollte es zu einer Generalsanierung kommen. Was natürlich einigermaßen teuer gekommen ist: Die Kosten dafür summieren sich mittlerweile auf 200 Mio. Euro – mehr als doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Und damit war Fekter gewissermaßen in der Bredouille: Eine Übersiedlung ihres Ressorts in ein herausgeputztes Barockpalais – so etwas könne kurz vor Nationalratswahlen zu einem echten Problem werden, befanden einige Berater. Andererseits: Das Winterpalais des Prinzen Eugen ist über die Jahre aufwendigst für die Bedürfnisse des Ministeriums renoviert worden. Sollten die Räumlichkeiten doch nicht von Fekters Beamten übernommen werden, müsste schleunigst ein neuer Mieter gefunden werden – für den hätte aber vermutlich wieder umgebaut werden müssen.

Letztlich hat also der Rechenstift entschieden. Zu den geschilderten Problemen, die ein Verbleib in der Hinteren Zollamtsstraße gebracht hätte, ergab nämlich eine simple Milchmädchenrechnung: Für das derzeitige Ausweichquartier, das der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gehört, muss das Finanzministerium Miete bezahlen. Für die Himmelpfortgasse nicht – dort gehört lediglich ein Nebengebäude der BIG.

Also her mit den Übersiedlungskartons. Damit kommt auf die rund 650 Mitarbeiter des Finanzministeriums wieder einmal ein Gewaltakt zu. Und für so manchen werden wohl Erinnerungen an den Mai des Jahres 2007 wach.
Damals war das Finanzministerium am Pfingstwochenende in das adaptierte Gebäude der Statistik Austria in der Hinteren Zollamtsstraße 2b übersiedelt. Eine Übersiedlung nach 159 Jahren, wohlgemerkt.

Generalstabsmäßige Planung

Der Umzug war generalstabsmäßig geplant worden, um Beeinträchtigungen des Dienstbetriebes zu verhindern. Von Freitagmittag bis Sonntagabend wurden rund 17.000 Kartons Büro- und Aktenmaterialien mit rund 150 Lkw-Fuhren transportiert. Dort mussten in wenigen Stunden die Büros neu eingerichtet werden, am Pfingstmontag wurden die EDV-Anschlüsse fertiggestellt. Tags darauf begann der Dienstbetrieb an der neuen Adresse.

Umbau und Modernisierung des Palais in der Himmelpfortgasse starteten im Juli 2007. Die Fertigstellung war eigentlich für das Jahr 2011 vorgesehen gewesen. Aber solch Verspätungen gehören wohl irgendwie dazu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)