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Die sinnlose Haftungsunion

Eine europäische Einlagensicherung bringt nichts. Hoffentlich kommt sie nicht.

Europa ist eine feine Sache, aber es gibt Bereiche, in denen Integration und Zentralisierung keinen Sinn ergeben. Ein solcher ist zweifellos die besonders sensible Regelung der Einlagensicherung. Gut also, dass die Pläne zur Schaffung einer europaweiten Einlagensicherung offenbar gerade wieder begraben werden.

Wir bekämen sonst wirklich eine Haftungsunion, die niemand braucht. Und eine, die auch sehr schlecht argumentierbar wäre. Denn dass der kleine Sparer und Steuerzahler in Grammatneusiedl für die Spareinlagen einer kleinen Schnackerlbank irgendwo an der Algarve mithaftet, ergibt absolut keinen Sinn.

Aus drei Gründen: Kleinere Bankpleiten lassen sich durch die überall in der EU bestehenden Einlagensicherungssysteme ohnehin locker lokal „planieren“. Für die großen Brocken gibt es, zweitens, de facto schon eine Absicherung durch die Euro-Rettungsfonds. Denn natürlich werden durch die voraussichtlich 100 Europa-Milliarden für spanische Banken auch deren Einlagen vor dem Dahinschmelzen „gesichert“. Und für einen wirklichen europäischen oder globalen Banken-Meltdown wäre, drittens, ohnehin jede Einlagensicherung zu klein. Dieser würde sowieso zu Staatspleiten führen. Wozu also ein teures, bürokratisches System erfinden, das am Status quo so gut wie nichts ändert?

 

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)