Privatkliniken: „Vorwürfe haltlos, politisch motiviert“

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Der Fachverbandsobmann der Gesundheitsbetriebe in der Wiener Wirtschaftskammer, Julian Hadschieff, übt im Interview mit der "Presse" heftige Kritik an Patientenanwältin Sigrid Pilz.

Die Presse: Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz warnt vor Sicherheitsrisken in Privatkliniken. Oft fehle es an notwendigen Spezialeinrichtungen, was immer wieder schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehe.

Julian M. Hadschieff: Diese Vorwürfe sind falsch, unseriös, demagogisch und politisch motiviert. Sie wurde ja deswegen auch schon zum Rücktritt aufgefordert. Ich lade sie ein, zur Objektivität und Würde des Amtes zurückzukehren.

Inwiefern politisch motiviert?

Offensichtlich will sie einen Beitrag dazu leisten, mehr Privatpatienten in Gemeindespitäler zu locken. Was das erklärte Ziel der Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ist.

Was ist mit dem konkreten Vorwurf, wonach viele Privatkliniken nicht über die entsprechende Infrastruktur für große Operationen verfügen, diese aber dennoch durchgeführt werden?

Ein absurder, haltloser Vorwurf. Qualitätskriterien gelten schließlich für alle Krankenhäuser, nicht nur für die öffentlichen. In jedem Privatspital wird genau abgeschätzt, ob für eine Operation die nötige Infrastruktur wie etwa Intensivstationen vorhanden ist. Natürlich kann diese Einschätzung auch einmal falsch sein, aber das kommt so gut wie nie vor. Das lässt sich auch nachweisen. Privatkliniken haben eine halb so hohe Überweisungsrate in große Kliniken, wie das AKH, als kleinere Gemeindespitäler. Dessen muss sich auch Frau Pilz bewusst sein. Umso empörter bin ich über ihre Aussagen.

Eine weitere Anschuldigung ist, dass in einem Privatspital rechtlich nur der operierende Arzt, also der Belegarzt, für seine Patienten zuständig ist.

Zum einen stimmt das nicht. Auch in Privatkliniken haben Notfallmediziner rund um die Uhr Dienst und sind selbstverständlich für alle Patienten verantwortlich. Und zum anderen liegt es im ureigenen Interesse der Belegärzte, ihre Patienten gut zu betreuen. Abgesehen davon wollen auch die Spitalsträger keine Probleme riskieren. Denn jede Komplikation betrifft auch das Haus, nicht nur den Patienten und seinen behandelnden Arzt.

Pilz berichtete von Fällen, in denen die Belegärzte im Notfall nicht schnell genug zu erreichen gewesen seien.

Auch in öffentlichen Spitälern ist der operierende Arzt nicht rund um die Uhr anwesend.

Ist die Komplikationsrate in Privatkliniken höher als in Gemeindespitälern?

Wir haben noch keine Aufzeichnungen darüber. Aber Frau Pilz kann die Komplikationsfälle in privaten und öffentlichen Kliniken im selben Behandlungszeitraum gern vergleichen. Ich garantiere Ihnen, dass die Rate in öffentlichen Spitälern höher ist. Zur Verdeutlichung: Im Jahr 2010 wurden von den 400.000 Patienten in Gemeindespitälern 900 Beschwerden gemeldet. Von den 34.000 Patienten in Privatkliniken nur 22.

Wehsely ist der Meinung, dass es in Österreich keine Zusatzversicherung braucht. Sie selbst hat dennoch eine.

Ich kann Frau Wehselys Wunsch, im Krankheitsfall in einem Ein- oder Zweitbettzimmer zu liegen, nachvollziehen. In Österreich gibt es eine Million Sonderklassepatienten, die schon einen Grund haben werden, eine private Zusatzversicherung abzuschließen. Ihr Dienstleistungs- und Qualitätsanspruch ist ein anderer, sie wollen individuelle Betreuung und keine langen Wartezeiten vor Operationen.

Was halten Sie von Wehselys Aussage, es brauche keine Zusatzversicherung?

Eine rein politische Aussage.

Das bedeutet?

Ich denke, Sie wissen, was das bedeutet.

Haben wir Ihrer Meinung in Österreich eine Zweiklassenmedizin?

Natürlich. Als Branchenvertreter und Betreiber eines Privatspitals stehe ich auch zu dem Mehrwert, den Privatkliniken anbieten. Warum sollte auch sonst jemand zu uns kommen?

Auf einen Blick

Julian M. Hadschieff ist Fachverbandsobmann der Gesundheitsbetriebe in der Wiener Wirtschaftskammer und Geschäftsführer der PremiQaMed Gruppe (Privatklinik Döbling). [WKO]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

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