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Israelitische Kultusgemeinde errichtete "Eruv" in Wien

Archivbild - IKG-Präsident Oskar Deutsch
Archivbild - IKG-Präsident Oskar Deutsch(c) APA (HERBERT NEUBAUER)
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Die symbolische Umzäunung der Innenbezirke bringt Juden Erleichterungen am Sabbat. Man dürfte sonst etwa nicht mit Kinderwagen außer Haus gehen.

Die von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) seit Jahren geplante symbolische "Umzäunung" der Wiener Innenbezirke ist fertiggestellt worden: Es gibt nun einen sogenannten Eruv, schreibt die "Wiener Zeitung" am Freitag. Dieser besteht aus natürlichen wie auch künstlichen Begrenzungen und soll Erleichterungen für Juden am Sabbat bringen. Wie die Streckenführung im Detail verläuft, will die IKG nicht bekanntgeben, um Vandalismus vorzubeugen.

Streng gläubigen Juden ist es grundsätzlich nicht erlaubt, in der Zeit des Sabbats (Freitagabend bis Samstagabend) etwas vom privaten in den öffentlichen Raum zu tragen. Das inkludiert auch die Benutzung von Kinderwagen oder Rollstühlen. Durch die Schaffung einer symbolischen Stadtmauer wird dieses Verbot jedoch umgangen, da ein Eruv das innerhalb seiner Grenzen liegende Areal ebenfalls zum privaten Bereich erklärt. "Ein Eruv ist eine virtuelle Stadtmauer", erklärte IKG-Präsident Oskar Deutsch in der "Wiener Zeitung".

Bahntrassen, Donau, Schnüre

Gebildet wird die "Umzäumung" in der Bundeshauptstadt vor allem durch natürliche Grenzen wie die Donau, aber auch Stromleitungen oder Bahntrassen wie der ÖBB und der Wiener Linien, heißt es in der "Wiener Zeitung". Dort, wo es Lücken gab, wurde die Begrenzung durch das Spannen zum Beispiel von Schnüren geschlossen. Insgesamt ist der Wiener Eruv rund 25 Kilometer lang und umschließt den ersten bis neunten Bezirk sowie den 20. Gemeindebezirk, "Die Presse" berichtete.

Die Kultusgemeinde kontrolliert regelmäßig, ob der Eruv intakt ist. Denn nur unbeschädigt gilt er als koscher. Errichtet wurde die virtuelle Mauer mittels Spenden. Die genauen Kosten will Deutsch nicht bekanntgeben, nur so viel: "Es wurde hier kein Cent öffentliches Geld aufgewandt", wird er im Zeitungsbericht zitiert. Auch die Instandhaltung wird mit Spendengeldern finanziert.

Neun-Jahre-Projekt

Das Projekt nahm bereits vor neun Jahren seinen Anfang. "Die Planung hat lange gedauert", begründete Deutsch gegenüber der Austria Presse Agentur den durchaus langen Zeitraum bis zur Umsetzung. Zudem meinte er auch: "Wir sind es gewohnt in Wien, dass viele Projekte viele Jahre dauern. Das hat hier Tradition. Hauptsache, es kommt zu einem guten Ende."

Dabei erinnerte Deutsch auch, dass dies nicht der erste Eruv in der Bundeshauptstadt sei. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs hat es bereits eine derartige Installation gegeben. Virtuelle Stadtmauern gibt es auch in Antwerpen und London sowie in zahlreichen Städten in den USA.

(APA)