Med-Uni: Extraplätze nach Protest gegen Gender-Auswertung

MedUni Nach Protest zusaetzliche
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Um Proteste nach der Gender-Auswertung zu vermeiden, sollen nun 60 Studenten doch noch einen Studienplatz in Wien erhalten.

Wien. Bis zum Höchstgericht wollen Studenten gehen, die trotz eines guten Aufnahmetests keinen Platz für ein Medizinstudium in Wien bekommen haben. Denn das Testergebnis wurde heuer genderspezifisch ausgewertet, was Frauen bevorzugte. Diese Art der Testauswertung ist rechtlich aber höchst umstritten. Nun kündigt sich in dem schwelenden Streit ein Kompromiss an.

Der Uni-Rat an der Wiener Medizin-Uni beschloss, weiteren 60 Personen Studienplätze zur Verfügung zu stellen. Das erklärte Erhard Busek, Vorsitzender des Universitätsrats der Medizinischen Universität Wien, im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Bisher wurden 740 Plätze vergeben, davon gingen 56 Prozent an Frauen. Die 60 zusätzlichen Plätze könnten jene Männer zufriedenstellen, die sonst eine Klage erwägt hätten. Erhalten soll man den Studienplatz aber unabhängig davon, ob ein Student den Rechtsweg einschlagen wollte oder nicht. Formal könnte noch der Uni-Senat dem jetzigen Beschluss des Universitätsrates in die Quere kommen. Damit ist aber nicht zu rechnen.

Weniger Punkte, trotzdem Platz

Die Uni-Leitung hat beim EMS-Test die Ergebnisse heuer erstmals nach Geschlechtern getrennt ausgewertet. Das kann dazu führen, dass Frauen trotz identer Punktezahl einen höheren Testwert als Männer aufweisen - und deshalb einen Studienplatz bekommen. Die Neuregelung wurde eingeführt, weil sich bisher stets mehr Frauen als Männer beworben hatten, der Anteil an zum Studium zugelassenen Frauen aber deutlich darunter lag. Heuer waren die Werte mit 56 Prozent erstmals etwa gleich.

Medizin-Uni-Rektor Wolfgang Schütz hat in der Vergangenheit die genderspezifische Auswertung mehrfach als richtig verteidigt. Im Gespräch mit der "Presse" dachte er sogar laut darüber nach, die genderspezifische Auswertung auch künftig anzuwenden - sollten Frauen auch bei dem neue Aufnahmeverfahren, das die drei Med-Unis in Wien, Graz und Innsbruck gerade gemeinsame erarbeiten, deutlich schlechter abschneiden.