Lebensversicherungen sollten wegen des sinkenden Garantiezines noch heuer abgeschlossen werden. Einiges wird bei den Versicherungen mit 21.12. teurer.
Ab 21. Dezember dürfen Versicherungen EU-weit nur noch gleiche Verträge für beide Geschlechter anbieten. Dabei kann es in manchen Bereichen für Männer oder Frauen teurer werden. Wer sich vor negativen Effekten von "Unisex"-Polizzen schützen möchte, sollte einen geplanten Neuvertrag deshalb noch vorher abschließen, rät der Versicherungsmathematiker und Aktuar der Ergo-Gruppe in Wien, Klaus Wegenkittl. Der zum gleichen Zeitpunkt per FMA-Verordnung von 2,0 auf 1,75 Prozent sinkende maximal erlaubte Garantiezins wirke sich freilich bei Kapitalversicherungen in der Sparte Leben viel stärker aus als die "Unisex"-Umstellung, deshalb lohne sich aus dieser Warte noch heuer ein Neuabschluss. Durch das Gender-Thema erwartet der Experte eine "Verwerfungsphase", die jetzt bald beginnt und bis zu sechs Monate nach dem 21. Dezember dauern könnte.
Dort, wo bei Lebensversicherungs-Polizzen das Ablebensrisiko dominiert, also bei Risiko- und Kapitalleben, haben derzeit Frauen günstigere Tarife als Männer - und hier werde es mit der Umstellung auf die neuen Tarife für Frauen teurer und für Männer günstiger. Umgekehrt sei es in der Rentenversicherung: Hier werde es künftig für Frauen billiger und für Männer teurer, derzeit seien da Männer besser dran und Frauen - wegen ihrer längeren Lebenserwartung - schlechter.
Neue Tarife nicht vor Dezember
Erstmals muss die Assekuranz-Branche durch die Umstellung auf geschlechtsneutrale Polizzen "in sämtliche Tarife der gesamten Produktpalette" der Personenversicherungen "hineingreifen", das sei historisch ein Novum. Bei Ergo Österreich seien dabei 35 Tarife im Massengeschäft direkt betroffen, außerdem noch einige Spezialtarife.
Fertig haben will Ergo die neuen Tarife Ende November. Allzufrüh wird aber noch kein Player am Markt die Konkurrenten in die Karten schauen lassen wollen: "Es werden alle erst recht zeitnah vor dem 21. Dezember mit den neuen Tarifen hinausgehen", vermutet der Aktuar. Die Übermittlung der neuen Tarife an die Finanzmarktaufsicht (FMA) sei auch einen Tag vor dem Vertriebs-Start ausreichend.
Keine geschlechterspezifische Fragen erlaubt
Unter dem Strich rechnet der Experte eher mit mehr Vorziehkäufen als aufgeschobenen Vertragsabschlüssen durch die "Unisex"-Umstellung. Viel werde sich im Abschlussverhalten aber nicht ändern, vermutet er. Denn auch heute würden ja zum Beispiel Männer nicht seltener eine Rentenversicherung abschließen, nur weil sie damit auch Polizzen weiblicher Versicherungsnehmer mitfinanzieren.
Künftig könnten Rabatte ein stärkeres Thema sein als bisher, vermutet Wegenkittl, da eine geschlechtsbezogene Differenzierung ja verboten werde. Bei Risikoversicherungen könnten Anbieter zum Beispiel mehr als heute zwischen Rauchern und Nichtrauchern unterscheiden. Natürlich werde die Branche auch künftig versuchen, ihren (potenziellen) Versicherungsnehmern risikobezogene Fragen zu stellen, etwa in der Unfallversicherung, wenn es um gefährliche Freizeitsportarten gehe, oder auch in der Krankenversicherung. Merkmale, die Rückschlüsse auf das Geschlecht zulassen, dürfe man mit ganz wenigen Ausnahmen (z.B. Krankheiten, die nur Frauen oder nur Männer haben können) aber nicht abfragen, also etwa Schuhgrößen unter 37 oder über 44. Und generell beruhigend: Altverträge sind von der Umstellung nicht betroffen, es erfolgt kein Eingriff in den Bestand.
(APA)