Gallus: Betrugsverdacht mit Pferdefuß

Konkursfall der Schuhfabrik Gallus: Betrugsfall oder inszenierter Kriminalfall?

WIEN. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Steckt hinter dem Konkurs der Wolfsburger Schuhfabrik Gallus ein Millionenbetrug? "Die Chronologie ist schon auffällig", sagt Masseverwalter Gerhard Brandl. Er rekapituliert:

Im Juni vorigen Jahres steht der Schuhfabrik das Wasser bis zum Hals. Ein 800.000-Euro-Kredit muss her. Doch die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) verlangt einen Bürgen - und findet ihn in Gestalt des 60 Prozent Eigentümers von Gallus (40 Prozent hält die holländische ABN-Amro-Bank) Gerard van Spaendonck. Der Belgier haftet mit seinem Privatvermögen, lässt sich von Gallus-Geschäftsführer Christian Berger dafür aber eine Sicherheit geben: das Markenrecht auf "Gallus". Gegen die Übertragung der Markenrechte gibt es eine sechsmonatige Einspruchsfrist. Am 9. Dezember endet die Frist und am 14. Dezember meldet Gallus Konkurs an. Die Banken stellen die Kredite fällig. Van Spaendoncks Haftung wird schlagend. Er bezahlt die 800.000 Euro an die BA CA und sichert sich so die Marke. Was noch auffällt: "Der Wert der Marke wird auf bis zu zwei Mill. Euro geschätzt", sagt Masseverwalter Brandl. "Verdacht auf betrügerische Krida" nennt es der Staatsanwalt.

Zumal eine Fortsetzung der Fabrik ohne Markenrecht unmöglich ist. Das Land Kärnten will, dass die Fabrik vom oberösterreichischen Schuh-Erzeuger Hartjes weitergeführt wird. Dieser ist bereit, den insolventen Betrieb inklusive Markenrechte um 2,7 Mill. Euro zu erwerben. Das Land will 400.000 Euro für den Rückkauf der Markenrechte locker machen. 800.000 Euro wurden Van Spaendonck geboten. Landespolitiker vermuten, weil er die Marke längst weiterverkauft hätte. "Alle Anschuldigungen sind aus der Luft gegriffen", sagt hingegen Gallus-Geschäftsführer Christian Berger. "Das ist kein Kriminalfall." Vielmehr habe man alles versucht, das Unternehmen zu retten. "Wir haben bis zum letzten Tag gekämpft." Für Berger war die Sicherung eines Kredits mit den Markenrechten eine normale Transaktion. "Ich habe nie damit gerechnet, dass diese schlagend wird." Immer wieder haben die Eigentümer Geld ins Unternehmen gesteckt. Immer wieder hätte es dafür Sicherheiten gegeben. "Es ist immer gut gegangen", sagt Berger.

Im Dezember ist es schief gegangen. Der Druck der ausländischen Konkurrenz sei größer geworden. Im Dezember meldet der deutsche Schuhhändler Garant Insolvenz an. Gallus verlor einen Großkunden. Ende.

Während der Geschäftsführer der Kärntner SPÖ von einem Sieg des "Kapitalismus über die Menschen" spricht und die Einschaltung der Staatsanwaltschaft begrüßt, sprechen Gläubiger von einem "politisch inszenierten Kriminalfall". Zumal auch der belgische "Kapitalist" bereit sei, 2,8 Mill. Euro für die Schuhfabrik zu bezahlen. So will Van Spaendonck neben dem Lager auch die Maschinen erwerben. Um die Produktion im Ausland weiterzuführen. Zum Unterschied von Hartjes. Die Oberösterreicher bieten zwar weniger für die Fabrik, dafür aber eine fünfjährige Standortgarantie.

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