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Japan öffnet Geldschleusen weiter

Bank of Japan Governor Shirakawa speaks at a news conference in Tokyo
Reuters
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Das Kaufprogramm wird um 127 Milliarden Dollar ausgedehnt. Die Bank of Japan reagiert auf den schwachen Konjunkturausblick. China könnte bald folgen.

Die Bank von Japan folgt dem Vorbild der US-Zentralbank und wirft die Notenpresse zum Ankurbeln der Wirtschaft noch stärker an. Die japanische Notenbank (BoJ) weitet ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren um umgerechnet rund 127 Milliarden Dollar (97,3 Milliarden Euro) aus, wie die Geldpolitiker am Mittwoch in Tokio mitteilten. Sie reagieren damit auf die sich eintrübenden Konjunkturperspektiven. Die Exportnation leidet unter der Schuldenkrise in Europa und dem starken Yen, der die Ausfuhren verteuert. Zudem droht der Inselstreit mit dem wichtigsten Handelspartner China zu einer neuen Belastung zu werden: Japanische Konzerne schlossen Hunderte Geschäfte und Fabriken in der Volksrepublik. Nach der Federal Reserve und der BoJ könnte nun bald auch eine weitere geldpolitische Lockerung der chinesischen Zentralbank folgen.

Die japanische Notenbank beließ ihren Leitzins wie erwartet in einer Spanne zwischen null und 0,1 Prozent. Mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet mehr als einer Billion Dollar nimmt das Anleihenankauf- und Kreditprogramm der BoJ nun aber immer gewaltigere Ausmaße an: Es entspricht vom Umfang her knapp einem Fünftel der Wirtschaftsleistung des Fernostlandes. Nach dem erneuten Öffnen der Geldschleusen fiel der Yen im Vergleich zum Dollar auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Der Höhenflug der heimischen Währung hat die Exporteure belastet, weil ihre Waren damit im Dollar-Raum teurer wurden.

Japaner folgen USA und Eurozone

Nun stemmen sich die Zentralbanker in Tokio mit Macht gegen die Wirtschaftsflaute und sind mit ihrer zunehmend lockeren Geldpolitik in guter Gesellschaft: Zuvor hatte schon die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed angekündigt, mit geldpolitischen Maßnahmen der Wirtschaftsflaute entgegenzuwirken.

Auch Chinas Konjunkturmotor stottert bereits. Als Alarmsignal gilt, dass das von der Regierung vorgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent im Frühjahr nur knapp überboten wurde. Staatspräsident Hu Jintao hat bereits angekündigt, die Konjunktur im zweiten Halbjahr stärker anzukurbeln. Zuletzt hatte die Zentralbank mehrfach die Leitzinsen gesenkt, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Zudem wurde den Banken die Kreditvergabe erleichtert.

BoJ begründet Schritt mit Konjunkturausblick

Japans Notenbankchef Masaaki Shirakawa betonte, die BoJ habe sich bei ihrem Schritt nicht vom Vorgehen der Fed leiten lassen. Vielmehr reagiere die Zentralbank auf den eingetrübten Konjunkturausblick: "Die Wirtschaft in Übersee läuft schwächer als angenommen." Die BoJ geht davon aus, dass die wirtschaftliche Aufholjagd nach der Tsunami- und Atomkatastrophe vom März 2011 ins Stocken geraten ist. Es sei zweifelhaft, ob das Land an die Wachstumsraten der ersten Jahreshälfte anknüpfen könne, warnte Shirakawa. Im zweiten Quartal hatte die drittgrößten Volkswirtschaft der Welt lediglich um 0,2 Prozent zugelegt. Zu Jahresbeginn waren es noch 1,3 Prozent.

Die Märkte in Asien reagierten erfreut auf die neuen geldpolitischen Lockerungsübungen in Japan: In Tokio schloss der Nikkei-Index 1,2 Prozent höher bei 9232 Punkten. Auch in Hongkong, Taiwan, Singapur und Australien zogen die Kurse an. In Frankfurt legte der Dax zur Eröffnung zu, gab seine Gewinne bis zum Mittag aber wieder ab. "Man darf dabei nicht übersehen, dass wir uns mitten in einem Abwertungswettlauf befinden", warnte ein Börsianer. Im Kampf gegen ihre jeweiligen wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten sich weder die USA noch die Euro-Zone oder Japan eine starke Währung leisten. "Bei diesem Spiel kann es keinen Gewinner geben", fügte der Aktienhändler hinzu.

 

(APA/Reuters)