Mieten: Bis 2008 auf Höhenflug

Experten rechnen mit jährlichen Steigerungen bis zu acht Prozent.

WIEN. Wohnen ist in den vergangenen zwei Jahren massiv teurer geworden, weil nach den Heizkosten die Mieten in Österreich gewaltig angezogen haben. Das zeigen die jüngsten Daten der Statistik Austria.

Während die Inflationsrate 2003 bei 1,3 Prozent lag, im Vorjahr 2,1 Prozent erreichte, lagen die Mieten (bei Abschluss eines neuen Mietvertrags) deutlich darüber: "Wir hatten alleine in den ersten beiden Quartalen 2004 einen deutlichen Anstieg bei Mieten und Betriebskosten im Bereich von durchschnittlich acht Prozent", so Paul Haschka von der Statistik Austria.

2004 war aber erst der Anfang. Nachdem die Mieten im heurigen Februar 8,2 Prozent über dem Vorjahreswert lagen, erklärt Thomas Malloth, Präsident des Österreichischen Verbandes der Immobilientreuhänder (ÖVI), jetzt der "Presse": "Der Zenit ist noch nicht erreicht." Erwin Hübner, Immobilien-Projektentwickler aus Wien rechnet mit einem sechsjährigen Zyklus, bei dem die Mieten weiter auf Höhenflug sind - Steigerungen von rund acht Prozent pro Jahr inklusive: "Erst gegen 2008 stagnieren die Mieten wieder."

Einzelne Bundesländer-Daten werden von der Statistik Austria derzeit noch ausgewertet. Besonders dramatisch ist die Lage aber in Wien. "Es entwickelt sich ein hoher Druck im innerstädtischen Bereich", erklärt Malloth. Neben dem Zentrum geraten die Trend-Bezirke Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund unter Druck. Malloth: "Dort sind die teuersten Wohnungen. Es ist unpackbar wie sich die Preise dort entwickeln."

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten spüren das vor allem Wiener Jungfamilien auf Wohnungssuche. "Die brauchen zwei Autos und ein Kindermädchen, wenn sie sich in den billigeren Regionen außerhalb Wiens ansiedeln", erklärt Malloth: "Das können sich viele nicht leisten und sie müssen in Wien bleiben; obwohl dort die Mieten steigen."

Die Gründe für die drastische Steigerung? Malloth trocken: "Die Prophezeiung hat sich erfüllt." Anfang 2003 habe der ÖVI vor einem massiven Miet-Anstieg gewarnt, nachdem der geförderte Wohnbau in Wien um 46 Prozent gedrosselt wurde. Das sei jetzt eingetreten.

Das Wiener Wohnbauressort von Stadtrat Werner Faymann (SP) schiebt die Schuld auf den Bund: "Wir können nichts machen, wenn das Mietrechtsgesetz vom Bund geändert wird." Seitdem könnten sich Vermieter im Zu- und Abschlags-Dschungel bedienen, erklärt Christian Boschek, Mietexperte der Wiener Arbeiterkammer: Viele Vermieter würden sich nicht am gesetzlichen Richtwert orientieren.

Die Statistik Austria sieht die Sache nüchterner. Eine Ursache sei die Nachfrage, ausgelöst durch die ständig steigende Zahl von Single-Wohnungen. Im Wiener Wohnbauressort wird überlegt, jetzt auf diese Entwicklung zu reagieren: "Wir können uns vorstellen, beim Neubau noch mehr in Single-Wohnungen zu investieren."

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