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Syrien: UNO spricht von "vollwertigem Bürgerkrieg"

Kämpfer der syrischen Opposition in Aleppo.
Kämpfer der syrischen Opposition in Aleppo.(c) AP (MUHAMMED MUHEISEN)
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Seit Wochenbeginn sind Hunderte Menschen dem Konflikt zum Opfer gefallen. Sondergesandter Brahimi meint, dass keine Seite gewinnen werde.

Das Blutvergießen in Syrien ist nach Ansicht der UNO zu einem "vollwertigen Bürgerkrieg" eskaliert. Nach heftigen Kämpfen erklärten syrische Oppositionelle am Donnerstag Teile der Hauptstadt Damaskus zum "Katastrophengebiet". Der Außenbezirk Al-Hajar al-Aswad und ein Lager palästinensischer Flüchtlinge stünden unter Dauerbeschuss, sagte ein Aktivist. Seit Wochenbeginn fielen nach Oppositionsangaben Hunderte Menschen dem Konflikt zum Opfer. Allein bei einem Luftangriff auf eine Tankstelle an der Grenze zur Türkei starben am Donnerstag mindestens 30 Menschen.

Der UNO-Sondergesandte für Syrien, Lakhdar Brahimi, der am Wochenende Damaskus besucht hatte, bezeichnete die Situation als "vollwertigen Bürgerkrieg". In einem Interview mit dem englischsprachigen Dienst des Nachrichtensenders Al-Jazeera sagte er, er glaube nicht daran, dass eine Seite gewinnen werde - weder jetzt noch zu einem späteren Zeitpunkt. Die Vereinten Nationen wollen bei ihrer anstehenden Vollversammlung in New York über die Krise und mögliche Lösungswege beraten.

Syrien werde nicht fallen

Syriens Minister für Versöhnung, Ali Haider, sagte am Donnerstag vor Journalisten in Damaskus, dass der Militäreinsatz "gute Fortschritte" mache. Er kündigte "handfeste Ergebnisse" innerhalb von einem Monat an. Präsident Bashar al-Assad sagte in einem Interview mit dem ägyptischen Magazin "Al-Ahram al-Arabi", Syrien werde nicht fallen und der Fall Libyen sich nicht wiederholen. In Libyen hatten die Rebellen nach einem langen Bürgerkrieg den Diktator Muammar al-Gaddafi schließlich mit der Hilfe von Lufteinsätzen westlicher Truppen gestürzt.

Das Blutvergießen dauerte indes weiter an. Aus Damaskus und Aleppo meldeten Regierungsgegner den Abschuss zweier Helikopter. Wie das syrische Staatsfernsehen berichtete, war ein Hubschrauber in der Nähe der Hauptstadt abgestürzt. Nahe der türkischen Grenze warf ein Militärhubschrauber nach Oppositionsangaben über einer Tankstelle in dem Dorf Ain Issa eine Bombe ab. Neben den rund 30 Toten habe es auch 25 zum Teil Schwerverletzte gegeben. Die Zahl der Opfer sei so hoch gewesen, weil dies die einzige Tankstelle in dem Gebiet gewesen sei, in der noch Benzin zu haben war. Nach ersten Berichten einer Nichtregierungsorganisation (NGO) wurden bei der Explosion mindestens 110 Menschen getötet oder verletzt. Berichte aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Junger Journalist getötet

Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete, die Regierungstruppen hätten allein in der Provinz Aleppo seit Wochenbeginn rund 100 "Terroristen" getötet. Ein Angestellter des Al-Muwasat-Krankenhauses in Damaskus sagte der Oppositionswebsite All4Syria, nach den Kämpfen im Süden der Hauptstadt seien binnen zwei Tagen etwa 300 tote Soldaten und Milizionäre sowie mehr als 150 getötete Zivilisten in die Klinik gebracht worden. Am Donnerstag starben nach Angaben von Oppositionellen landesweit fast 100 Menschen. Darunter soll auch ein 27-jähriger Journalist sein, der unter dem Namen Abu Hassan in Hama arbeitete. Auch die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über einen Angriff auf Hama am Mittwoch mit 16 Todesopfern, bei dem ein Haus angezündet worden sei.

Unkontrollierte Waffenlieferungen?

Im Irak wurden unterdessen Vorwürfe aus den USA zurückgewiesen, wonach der Iran Waffen unkontrolliert über den irakischen Luftraum nach Syrien transportiere. Diese Informationen seien falsch, sagte ein Parlamentarier der Nachrichtenagentur dpa in Bagdad.

Der frühere syrische Ministerpräsident Riad Hijab spielte den Einfluss militanter Islamistengruppen in dem Konflikt herunter. "Ihre Bedeutung für das Geschehen vor Ort wird übertrieben dargestellt", sagte er am Mittwochabend nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius in Paris. Der Ex-Regierungschef hatte sich Anfang August von Präsident Bashar al-Assad losgesagt.

(APA/dpa/AF)