Zärtliche Physik mit den Science Busters

Science Busters
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„Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln“ heißen das neue Programm und ein Buch der Wissenschaftskabarettisten.

40 Mal pro Minute solle man ein Stofftier, Haustier oder den Partner streicheln, empfahl der Physiker Werner Gruber bei der Premiere von „Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln": Das beruhige die Nerven und fördere die Ausschüttung des Kuschelhormons Oxytocin. Wer das gleichnamige Buch der Science Busters in Händen hält, möchte auch 40 Mal drüber streicheln: Durch seine samtige Oberfläche wirkt es wie ein pinkes Kuschelbuch. Die sanfte Stimmung wird einem bei der Lektüre von „Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln" nicht ausgetrieben, denn der Fließtext ist unterhaltsam und lehrreich, anekdotisches Wissen wird anhand von Studien entweder belegt oder verworfen (56 Referenzen finden sich am Ende des Buches, einige verweisen aber zu Youtube, Wikipedia und sogar zu diepresse.com), in den Infoboxen wird einem (in rosa Schrift) kurz und bündig erklärt, wo die Großhirnrinde liegt, warum Schmerz unangenehm ist und wie das Salz ins Meer kommt. Dazwischen tröstet einen aber folgender Satz: „Das müssen Sie sich nicht merken, aber es schadet auch nicht, wenn Sie es wieder einmal gehört haben."

Auszüge des Buches setzen Martin Puntigam, Heinz Oberhummer und Werner Gruber nun auf der Bühne um, Premiere war am Dienstag im Rabenhoftheater in Wien. Bei manchen Szenen diagnostiziert der aufmerksame Leser ein Déjà-vu respektive Déjà-lu, doch das nimmt man den „Buben" (Durchschnittsalter 52) nicht übel. Immerhin erklären sie einem auch, warum Menschen Déjà-vus haben (eine Art „Autocomplete-Funktion" des Gehirns).
Zudem ist Puntigam auf der Bühne wie gewohnt herrlich ordinär und witzelt beim Thema Schneckenstreicheln in der Sprache der Generation „youporn": Schließlich geht es dabei um das Kitzeln der „Austrittsöffnung am hinteren Ende der Schnecke". Über einen damit verbundenen Reflex der Meeresschnecke Aplysia konnte nämlich der Neurowissenschaftler Eric Kandel sichtbar machen, wie sich Nervenzellen verändern, wenn man sich an etwas gewöhnt oder auf etwas konditioniert wird. Diese Experimente machten Kandel zum „Gedankenleser", Puntigam formt daraus Analwitze, und lenkt auch sonst die Diskussion gern in Richtung Flatulenzen u. ä..

Trotzdem bleibt der Kabarettist die erfreulichste Figur der Science Busters: Er bügelt die schrillen, hektischen Ausführungen von Heinz Oberhummer für das Bildungsbürgerpublikum glatt, und er entschärft mit schelmischem Grinsen die besserwisserische Art von Werner Gruber, der auf der Bühne gern den Anschein macht, als verstünde außer ihm eh keiner, wie Physik die Welt beherrscht.

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