Lisa Maria Glenk untersuchte, wie es Hunden geht, die in Therapien zum Wohl des Menschen eingesetzt werden. Angeleinte Hunde waren weniger entspannt als andere.
„Hunde werden nicht als Ersatz von Medikamenten genutzt, aber ihre Einbindung bei psychologischen und medizinischen Therapien zeigt gute Erfolge“, erzählt Lisa Maria Glenk. Sie hat ihre Dissertation (Vet-Med-Uni Wien, Betreuerin Halina Baran) „Tiergestützten Interventionen“ (TGI) gewidmet – ein Überbegriff für Maßnahmen, bei denen der Einsatz von Tieren eine positive Wirkung auf den Menschen hat. Beispielsweise dienen Hunde in Gruppentherapien als sozialer Katalysator zur Motivation von Patienten, an der Therapie teilzunehmen bzw. in der Therapie aus sich herauszugehen. „Mit Hunden kann man auch viel über non-verbale Kommunikation lernen“, sagt Glenk, die 2011 den Wettbewerb „WissenschaftlerInnen schreiben Presseaussendungen“ gewann. Ihr fiel auf, dass man bei der Erforschung von TGI bisher nur Dinge über den Menschen gelernt hat. „Welche Auswirkungen die Interventionen auf den Hund haben, wurde kaum untersucht.“ Daher testete sie bei 21 speziell trainierten Therapiebegleithunden, ob diese von der Arbeit gestresst sind.
Glenk entnahm Speichelproben vor, während und nach dem Einsatz in der Therapie (und zur Kontrolle an freien Tagen) und filmte das Verhalten der Tiere. „Keiner der Hunde zeigte Anzeichen von Überlastung oder zu viel Stress.“ Doch Glenk fand bei Hunden, die in der Therapie an der Leine geführt werden, höhere Kortisolwerte im Speichel als bei solchen, die sich im Raum frei bewegen. „Das zeigt, dass angeleinte Tiere bei der Arbeit aufgeregter sind. Die Hunde ohne Leine können sich zurückziehen, wenn es ihnen zu viel wird. Sie bestimmen selbst, wie viel Kontakt sie zu den Patienten haben.“ Das Ergebnis ist wichtig, wenn es um die Etablierung von Standards beim Einsatz von Hunden in der Therapie geht – solche werden derzeit für die EU verhandelt, bisher gibt es keine Regelung. Und es ist auch für den Tierschutz eine wichtige Information. „Hunde wurden ja nie darauf gezüchtet, sich gern von Fremden streicheln zu lassen. Daher muss man vorsichtig sein, dass man den Tieren nicht zu viel zumutet.“ In der Studie befragte Glenk auch Therapiehundeführer, andere Hundebesitzer und Nichthundebesitzer, wie sie die Reaktion von Hunden in Therapien einschätzen. „Alle sind sich einig, dass es den Menschen guttut und den Hunden Spaß machen kann“, so Glenk, die auf mehr Forschung zu Verhalten und Wohlbefinden solcher Hunde hofft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2012)