Pakistans Terrorminister

Ein Regierungsmitglied ruft zum Mord auf: Eine neue Stufe islamistischer "Streitkultur".

Seit Irans Revolutionsführer Khomeini 1989 den britisch-indischen Autor Salman Rushdie wegen dessen angeblich blasphemischen Buchs „Die satanischen Verse“ zum Tod verurteilt und ein Kopfgeld ausgesetzt hat, ist man bezüglich dieser Facette islamistischer „Streitkultur“ einiges gewöhnt: Politiker, Künstler und Menschenrechtler wurden seither mit dem Tod bedroht, weil sie den Islam kritisiert, beleidigt oder sich nicht genehm dazu geäußert hatten.

Die Autorin Taslima Nasreen aus Bangladesch etwa floh nach Schweden, der dänische Karikaturist Kurt Westergaard entging knapp einem Anschlag. Dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh gelang das nicht, ihm schnitt man die Kehle durch.

Iranische Mullahs setzten heuer 100.000US-Dollar Kopfgeld (just die Währung des „Großen Satans“) auf einen Rapper in Deutschland aus. Wenn aber Ghulam Bilour, Minister der Regierung Pakistans, nun zum Mord am Macher des dummen Mohammed-Films aufruft, hat das neue Qualität: Der Herr führt zwar nur das Eisenbahnressort, die Regierung tat seine Worte als „persönlich“ ab, es war aber wohl der erste islamistische Mordaufruf auf Regierungsniveau.

Zu denken muss auch geben, dass Bilour just die Taliban und al-Qaida als „Brüder“ bezeichnet hat. Man könnte ihn daher „Terrorminister“ nennen. Sein Fall zeigt aber auch: In Pakistan, angeblich einem US-Alliierten, ist die Regierung Teil des Islamistenproblems.


wolfgang.greber@diepresse.com