Western Union: Gastarbeiter und deren Finanzen

Finanzdienstleistungen. Western Union startet mit Filiale in Wien, 200 weitere in Europa sollen folgen.

Wien. Der Startschuss für die groß angelegte Expansion erfolgte im vergangenen Jahr: Ende Oktober 2004 erhielt die Western Union International, die Österreich-Tochter des gleichnamigen US-Finanzdienstleisters, eine Bankenkonzession für Österreich. Ganze 18 Monate musste auf die Erteilung der Konzession gewartet werden, umso schneller soll jetzt der Aufbau von Filialen erfolgen. Vor kurzem wurde im vierten Wiener Gemeindebezirk die erste Zweigstelle eröffnet - weltweit die erste in der gesamten Gruppe. Doch das ist bloß der Anfang: "Wir wollen in den kommenden fünf Jahren rund 200 Filialen in Europa eröffnen", erklärt der Chef der Österreich-Tochter, Hikmet Ersek, im Gespräch mit der "Presse".

Expandiert wird allerdings nicht in ganz Europa. "Die großen Banken zieht es nach Osteuropa. Wir gehen in den Westen", sagt Ersek. Und das liegt an der Kundenstruktur von Western Union: "Ungefähr 90 Prozent unserer Kunden sind Immigranten." Und die schicken regelmäßig Geld nach Hause.

Der Finanzdienstleister ist auf den Zahlungsverkehr fokussiert: Kunden geben Überweisungen auf, der Empfänger übernimmt sie fast zeitgleich. Die Western-Union-Gruppe gehört zum börsenotierten US-Konzern First Data. Zuletzt erzielte Western Union einen Jahresumsatz von 3,7 Mrd. Dollar, Überweisungen sind bei insgesamt 220.000 Geschäftsstellen in 195 Länder möglich.

Österreich spielt in der Strategie der Amerikaner eine zentrale Rolle: Von Wien aus werden die Märkte Europa, Afrika, Südasien und Nahost bearbeitet - insgesamt ist der gebürtige Türke Ersek für 120 Länder mit insgesamt 100.000 Geschäftsstellen verantwortlich. In Österreich allein gibt es, so Ersek, 2000 Geschäftsstellen: Kunden können derzeit Express-Überweisungen bei Postämtern, Banken oder Wechselstuben in Auftrag geben. Durchgeführt werden diese Transaktionen von Western Union. Dafür bezahlt der Absender Gebühren in Höhe von vier bis zehn Prozent des überwiesenen Geldbetrages. Ein Gros der Kundschaft kommt aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, einen geringeren Anteil haben Einwanderer aus Nord- und Zentralafrika, aus Polen und aus der Türkei.

Von der nun eröffneten Wiener Filiale verspricht sich Ersek ein ordentliches Geschäftswachstum. Denn das bisherige Geschäftsmodell, das sich ausschließlich auf Überweisungen konzentrierte, barg ein nicht unwesentliches Problem in sich. Ersek: "Nach und nach kommen auch die Familien der Immigranten in das neue Heimatland. Und dann gibt es keine Überweisungen in die alte Heimat mehr." In den Bankfilialen sollen daher andere Produkte angeboten werden, um die Kundschaft bei der Stange zu halten. Etwa Online-Überweisungen oder so genannte Prepaid-Karten, auf denen Geldbeträge aufgeladen werden können, um auch Gastarbeitern, die oft nicht über Girokonten verfügen, einen bargeldlosen Einkauf zu ermöglichen.

Geschäftsführer der neuen Western Union International Bank GmbH sind der ehemalige Kathrein-Chef Wolfgang Fenkart-Fröschl sowie Josef Leckel. Hikmet Ersek präsidiert den Aufsichtsrat des Instituts.

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