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Karzai: Westen muss "Islamophobie" bekämpfen

Karzai Westen muss Islamophobie
(c) Reuters (Ray Stubblebine)
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Der afghanische Präsident Karzai fordert den Westen auf, Islamfeindlichkeit zu bekämpfen. Den Macher des Mohammed-Films nennt er "Fanatiker".

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat den Westen aufgefordert, Islamfeindlichkeit zu bekämpfen. "Ich fordere den Westen - seine Führer und seine Medien - auf, der Islamophobie zu begegnen, wo immer sie auftaucht", sagte Karzai am Dienstag (Ortszeit) vor der UNO-Vollversammlung in New York. "Es ist sehr besorgniserregend, dass unsere Welt täglich heimgesucht wird von Gewalt, Hass und Ungerechtigkeit."

Karzai kritisierte "die Verderbtheit von Fanatikern". Allerdings bezog er sich nicht auf die gewalttätigen Ausschreitungen mit zahlreichen Todesopfern in muslimischen Ländern, sondern auf den Macher eines islamkritischen Videos. "Wir verurteilen solche Beleidigung scharf, sei es die Produktion eines Films, die Veröffentlichung von Karikaturen oder andere Provokationen. Solche Akte können niemals durch die Rede- und Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden." Bei den Protesten waren Dutzende Menschen getötet worden.

Deutschland: Islamisten rufen zu Attentaten auf

Wegen des islamfeindlichen Mohammed-Schmähvideos hatten zuvor radikale Islamisten zu Attentaten in Deutschland aufgerufen. In einer Internet-Drohschrift behaupteten sie zugleich, dass der Hauptdarsteller des Videos ein Deutscher sei, wie die "Welt" am Dienstag berichtete. In dem Schreiben fordert demnach ein deutscher Islamist mit dem Namen Abu Assad seine Glaubensbrüder zu Racheakten in Deutschland auf. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) erklärte dazu auf Anfrage in Wiesbaden, die Verlautbarung sei dem BKA bekannt und ausgewertet worden. "Sowohl im Inland als auch im Ausland besteht für deutsche Einrichtungen weiterhin eine hohe abstrakte Gefährdung." Bisher lägen jedoch "keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen" vor. "Derartige Veröffentlichungen fügen sich somit in die bisherige Gefährdungslage ein."

In der Drohschrift wird laut "Welt" unter anderem dazu aufgerufen, Rache am "deutschen Schauspieler dieses Filmes" zu üben, "der die Rolle unseres edlen Gesandten spielte". Die Identität des Hauptdarstellers in dem in den USA produzierten Schmähvideo ist dem Bericht zufolge allerdings noch nicht bekannt. Zugleich werden in dem Schreiben demnach Racheakte an Mitgliedern der rechten Pro-Organisation gefordert, die zuletzt bei antiislamischen Kundgebungen Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Veröffentlicht wurde das Papier der "Welt" zufolge von der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF).

Ägypten: Wegen Bibel-Verbrennung vor Gericht

In Ägypten  müssen sich drei Männer wegen Beleidigung des Christentums vor Gericht verantworten. Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft habe entschieden, die Männer anzuklagen, berichtete die Nachrichtenagentur Mena am Dienstag. Ahmed Mohammed Abdallah soll zusammen mit seinem Sohn Islam während der Proteste gegen das Schund-Video "Die Unschuld der Muslime" vor der US-Botschaft eine Bibel zerrissen und dann verbrannt haben. Die beiden Männer betreiben den Fernsehsender al-Umma. Abdallah soll sich zudem in einem Interview mit einem Journalisten der Tageszeitung "Al-Tahrir" abfällig über das Christentum geäußert haben. Der Reporter von "Al-Tahrir" muss sich deshalb ebenfalls vor Gericht verantworten.

Der Anti-Islam-Film, der seit Wochen teils gewalttätige Proteste in der islamischen Welt provoziert, war von einem in Kalifornien lebenden ägyptischen Kopten produziert worden. Der Aufruhr gegen das Video schürte bei der Minderheit der koptischen Christen in Ägypten Ängste vor neuer Gewalt und Diskriminierung. Sechs bis zehn Prozent der 82 Millionen Ägypter sind Kopten. Sie gerieten in der Vergangenheit wiederholt ins Visier religiöser Eiferer.

Am Mittwoch verfügte ein türkisches Gericht eine Sperre des Schmähvideos. Es stufte den Film als "Bedrohung für die öffentliche Sicherheit" ein.

(APA/dpa)