Die Vermenschlichung

Wo kommen die Steine alle her?“, wird im alten Witz der Bauer gefragt, dessen Feld unhübsch daliegt.

Wo kommen die Steine alle her?“, wird im alten Witz der Bauer gefragt, dessen Feld unhübsch daliegt. „Vom Fluss.“– „Aber da ist doch kein Fluss.“ Bauer: „Na, der ist oben in die Berg'. Steine holen.“ Tja, wir reden gern über Dinge, als ob sie Menschen wären: „In den Tisch hab ich mich verliebt.“ „Das Hotel stirbt bald ...“

Laut dem „New Zealand Herald“ wurde nun erstmals einem Fluss tatsächlich das Persönlichkeitsrecht zugesprochen: Der drittlängste Fluss Neuseelands, der Whanganui, soll vor dem Gesetz wie ein Mensch behandelt werden. Das haben die indigenen Iwi (Gruppe der Maori), die in enger kultureller Verbindung mit dem Fluss leben, nach langem Kampf durchgesetzt, um ihn besser schützen zu können.

Hierzulande geht das nicht, nur eine Person ist eine Person. Auch Tieren, egal wie menschlich sie dem Besitzer vorkommen, wird kein Persönlichkeitsrecht zugesprochen: „Schneidet man einem Hund den Schwanz ab, gilt es als Sachbeschädigung“, erklärt ein Experte. In Spanien gibt es zwar eigene Rechtsprechung für Affen. Doch wie kann man sich das vorstellen, dass der Fluss als Mensch zählt: Wird er, wenn jemand darin umkommt, des Mordes angeklagt? VERS


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)

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