Paris: Vom Alltäglichen zum Ultimativen

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Paris Alltaeglichen Ultimativen(c) REUTERS (CHRISTIAN HARTMANN)
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Die Briten stehlen glatt den Franzosen die Show: Man staunt über die Verve englischer Neuheiten, von Jaguars Roadster-Revival bis zum Anti-Ferrari von McLaren. Auch das Elektroauto kommt zu seinem Auftritt.

In der ersten Hälfte des Jahres hat Ferrari 3664 Autos verkauft und etwa 100 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erzielt, hauptsächlich mit V8-Modellen: 458 und California. Das sind Zahlen, die auch Ron Dennis interessieren. Der Boss von McLaren hat am Firmensitz Woking eine eigene Autoproduktion hochgezogen, und man gedenkt, im lukrativen Geschäft der Supercars demnächst kräftig mitzumischen. Die sehr reichen Menschen werden ja keineswegs ärmer.

McLaren hat in England Kapazität für bis zu 4000 Autos im Jahr. In Paris ist der P1 ausgestellt, nach dem 12C wohl das obere Ende des künftigen McLaren-Sortiments. Mit 960 PS will der P1 nicht Bugatti Konkurrenz machen, sondern vor allem Ferrari um die Ohren fahren. Der P1 besticht mit exorbitanter Downforce dank aerodynamischer Kniffe aus der Formel-1-Abteilung im Haus. Die Show mag da höchstens Mercedes stehlen, mit dem SLS „E-Cell“, einem elektrisch angetriebenen Supersportwagen – 1000 Nm!

Nicht ganz so extrem, aber gut für ein großes Hallo: Jaguars Rückkehr zu alter Form, manifestiert im F-Type, einem Roadster, der preislich zwischen Porsche Boxster und 911 liegen wird. Der Sportwagen mit V6 oder V8 soll das Profil der Marke wieder schärfen, bevor Jaguar mit einem luxuriösen und agilen 3er-Konkurrenten ab 2015 in der oberen Mittelklasse angreifen wird.

Konzernschwester Landrover rüstet die Legende Range Rover für die kommenden Jahre: Zu sehen ist, dass der neue Jahrgang unverändert den Stolz des britischen Empire auf die Straße trägt, nicht aber, dass er im Unterbau fast radikal abgespeckt hat: Maßgeblich dank einer Voll-Alu-Karosserie soll Rangey IV fast 400 Kilogramm weniger auf die Waage bringen, mit günstigeren Verbrauchs- und CO2-Werten im Gefolge. Einstiegspreis in Österreich: 110.000 Euro.

Ein neuer Golf ist immer ein Ereignis, obwohl sich äußerlich so viel gar nicht tut, traditionell: Dem Trend Richtung Premium folgend, ist der Golf VII – erneut größer und mehr „upmarket“ – seiner Klasse fast schon enteilt. Schwerer sei er nicht geworden. Vier Turbobenziner mit 85 bis 140 PS und zwei Diesel mit 105 und 150 PS machen den Anfang, spezielle Spritspartechnik kostet extra.

Was zeigen die Hausherren? Zunächst ist Renault-Designer Laurens van den Acker entlastet: Der neue Clio ist ein appetitlicher Anblick, auf der Basis kann die Marke Appeal zurückerobern. Ein Turbo-Dreizylinder mit 90 PS sichert ambitionierte Verbrauchswerte. Mit dem Kleinwagen ZOE ist das vierte Elektroauto im Angebot, es ist etwa so lang wie der Clio und soll mit Lithium-Ionen-Batterie bis zu 210 km weit kommen.

Mit knapp 200 PS für den 208 will Peugeot den Geist des 205 GTi beschwören. Citroën zeigt den DS3 als Cabrio und als Elektroversion – nicht aber beides zusammen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)

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