Landwirtschaft: Eiszeit im Weinhandel

Die tiefen Temperaturen der vergangenen Tage machen aus Winzern Spekulanten. Sollte es zu Frostschäden kommen, könnte der Weinpreis steigen.

WIEN. Bis zu minus 20 Grad hatte es im Februar in manchen Weinregionen. Die extrem tiefen Temperaturen machen den Rebstöcken zu schaffen. Noch ist in den Weingärten alles in Ordnung. Doch eine weitere Kältewelle könnte fatale Frostschäden nach sich ziehen, meinen Experten. Diese Wetterkapriolen wirken sich auch auf den Weinmarkt in Österreich aus. "Im Weinhandel herrsche extreme Trockenheit", berichtet Herbert Toifl, Chef des Weingutes Stift Klosterneuburg.

"Die Winzer zieren sich zu verkaufen", sagt auch Alfred Fischer, Vorstand des Bundesgremiums des österreichischen Weinhandels und Winzer aus dem Burgenland.

Der Grund für die abwartende Haltung liegt auf der Hand: Viele Weinbauern spekulieren mit dem Frost. Sollte dieser tatsächlich zuschlagen, wäre ein Teil der kommenden Ernte vernichtet, womit die Preise für Fasswein sprunghaft in die Höhe schnalzen würden.

Die meisten Winzer, die ihre Tropfen im Gebinde verkaufen müssen, haben ohnehin nichts zu verlieren. Die Weinpreise sind im wahrsten Sinne des Wortes im Keller. Für einen Liter Weißwein im Gebinde (Massenware) werden Preise ab 30 Cent bezahlt.

Noch schlimmer ist die Situation beim Rotwein. Obwohl die Herstellung aufwendiger als bei Weißwein ist, zahlen die Händler vielerorts ebenfalls nur 30 Cent pro Liter. "Beim Rotwein gibt es ein größeres Preisband", berichtet Fischer. "Für Top-Rotweine werden auch bis zu 1,50 Euro pro Liter bezahlt", meint der Fachmann.

Im Vorjahr wurden in Österreich 2,7 Mill. Hektoliter Wein geerntet. Die Qualität konnte mit der Quantität nicht mithalten. Obwohl 2004 um acht Prozent mehr Wein als 2003 produziert wurde, stieg der Anteil des Qualitäts- und Prädikatsweins nur um zwei Prozent.

Der Preisverfall beim heimischen Rotwein ist unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass in den vergangenen Jahren verstärkt Rotweinsorten ausgepflanzt wurden. Dies wurde auch finanziell gefördert. So stieg die Rotweinernte im nicht gerade für Rotwein prädestinierten Weinviertel um 21 Prozent.

Für die Weinbauern kann es also nur noch besser werden. Natürlich wünsche sich kein Winzer, dass seine Reben erfrieren, heißt es. Doch schlimmer als der Frost wäre, den Wein vor dem Frost viel zu billig zu verkaufen . . .

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