Analyse. Auch ein fallender Kerosinpreis kann die Probleme der Airline nicht lösen.
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ie AUA hat eine Zukunft als eigenständige Airline." Jo sef Burger bleibt nichts anderes übrig, als Zweckoptimismus zu versprühen. Schließlich ist er Marketing-Vorstand der rot-weiß-roten Fluglinie, deren Bilanz nicht nur im ersten Halbjahr, sondern wohl auch 2005 und wahrscheinlich 2006 so rot sein werden, wie die Uniformen der Flugbegleiter.
Das Umfeld ist alles andere als erfreulich: Die Kerosinpreise bewegen sich seit Monaten auf Rekordniveau und dürften so bald nicht fallen, neue Terrorattacken bremsen die Reiselust auch in der traditionell stärksten Reisezeit, und die Billig-Airlines verschärfen noch den Konkurrenzdruck.
Das AUA-Management wird deshalb auch nicht müde, "wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen" für die Airline zu fordern, wie dies auch Burger am Mittwoch abend tat. Wobei er postwendend allein die Vermutung, dass es um Subventionen gehen könnte, im Kein erstickt. "Es geht nicht darum, dass jemand etwas für uns tun soll, sondern dass alle gemeinsam was für den Standort Österreich tun", machte Burger klar.
Nachdem die AUA mit ihrer Klage gegen die von der Regierung verdoppelten Sicherheitsabgabe erst vor wenigen Tagen beim Verfassungsgerichtshof abgeblitzt ist, richten sich ihre Anstrengungen vor allem auf den Flughafen Wien.
Das Ansinnen der AUA auf eine weitere saftige Gebührensenkung pariert das Flughafen-Management mit scharfer Klinge: Man sei als börsenotierter Konzern genauso wie die AUA der Gewinnmaximierung und dem "Shareholder Value" verpflichtet (diese Bemerkung dürfte beim AUA-Management nicht einmal mehr ein gequältes Lächeln hervorrufen) und müsse die geplanten Investitionen in den neuen Terminal absichern.
Luftfahrtexperten und Analysten warnen davor, dass sich die AUA auf externe Hilfe verlässt. Angesichts der geringen Aussicht, dass der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte rapid sinkt, sei die AUA gut beraten, hausintern alle Sparpotenziale zu heben, heißt es.
Sowohl Erste Bank als auch RCB weisen in ihren jüngsten Analysen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Herbst 2004 zu rasch Kapazitäten und Personal aufgestockt worden seien. Und diese Kapazitäten konnten offenbar am Markt nicht verkauft werden. Da im Winter die Nachfrage und damit die Auslastung traditionell eher sinkt, würde dieser Personalüberhang das Ergebnis weiter belasten, ist Teresa Schinwald von der "Erste Bank überzeugt. Schon im ersten Halbjahr ist die Produktivität um 7,6 Prozent gesunken und gleichzeitig sind die Kosten pro verkauftem Sitz um 2,4 Prozent gestiegen.
Die Personalkosten werden überhaupt das große Thema der Zukunft sein. Im ersten Halbjahr erreichten sie 245 Mill. Euro, bei einem Gesamtaufwand von 1,17 Mill. Euro. Der nach langem Tauziehen und etlichen Streiks mit Hilfe der Sozialpartner abgeschlossene neue Kollektivvertrag für Piloten und Flugbegleiter zielt wohl auf eine deutliche Reduktion der Personalkosten ab. Da das neue Gehaltsschema aber nur für neu eintretende Mitarbeiter gilt, werden die Einsparungen erst schlagend, wenn die AUA stark expandiert und entsprechend viel neues Personal einstellt.
Expandieren ist aber in Zeiten, in denen Billig-Airlines den etablierten Fluglinien Marktanteile wegschnappen, gar nicht so leicht. Mit der Osteuropa-Strategie sei die AUA ohnehin am richtigen Weg, meint Gudrun Egger von der Erste Bank - allerdings wächst auch hier die Konkurrenz.
Ein Patentrezept, wie die AUA aus dieser Zwickmühle herauskommen könnte, gibt es nicht. RCB-Analystin Schinwald: "Wir sehen nicht viel Raum für Verbesserungen." Kein Wunder, dass die Nervosität spürbar steigt. "Soviel, wie wir derzeit verlieren, können wir gar nicht mehr einsparen", meint wiederum ein Betriebsrat bitter.
Die AUA-Aktie hat heuer ein Drittel an Wert verloren. Der Börsenwert des Unternehmens (225 Mill. Euro) liegt bereits unter dem Verkehrswert der AUA-Maschinen.