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Web-Branche: Ministeriums-Homepage zu teuer

Die Presse (Fabry)
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Egal ob 4,39 oder 1,35 Millionen Euro, Webunternehmer stufen die Neugestaltung der Ministeriums-Homepage als viel zu hoch ein. Der Rechnungshof hatte die Kosten in einem Bericht kritisiert.

Was kostet eine Homepage? Dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft eine ganze Menge. 4,39 Millionen Euro wurden in einem Rohbericht des Rechnungshofes angegeben. Der Rechnungshof hatte aber nicht nur den Preis, sondern auch die Vergabe kritisiert, die ausgeschrieben hätte werden sollen. Das Umweltministerium versucht jetzt, den Betrag zu relativieren. Er könne die Vorwürfe "nicht im Raum stehen lassen", sagt Minister Nikolaus Berlakovich (ÖVP). Die genannten 4,39 Millionen Euro seien "viel zu hoch". Die Neugestaltung der Homepage selbst habe 1,35 Millionen Euro gekostet, wie es auch in einer Aussendung auf der umstrittenen Website www.lebensministerium.at heißt. Die 4,39 Millionen Euro seien "die Gesamtkosten für das Content Management System (CMS)", steht dort. Darin enthalten seien Betreuung, Wartung und Weiterentwicklungen von 2011 bis 2015. Man könne eben eine billige Homepage mit ein paar Bildern machen oder eine komplexere, die auch entsprechend mehr koste, heißt es im Ministerium auf Anfrage. Der Internetauftritt des Lebensministeriums verfüge etwa über umfangreiche Downloadbereiche, sowie einen eigenen Filmverleih.

"Kein marktüblicher Preis"

Aber auch die 1,35 Millionen Euro sind ein Betrag, der in der Webdesign-Branche immer noch für große Augen sorgt. Viele Unternehmen nutzen eine Website mit einem CMS, mit dem auch weniger technikaffine Nutzer Inhalte für den Auftritt erstellen können. Für kleinere Projekte gibt es kostenlose Lösungen zum Download. Professionellere Systeme, etwa für einen Webshop oder zusätzliche Schnittstellen kosten mehr. Aber auch dann bewegt man sich selten im Millionenbereich. "Das ist kein marktüblicher Preis", sagt Jörg Wukonig, dessen Agentur wukonig.com auch schon für zahlreiche Behörden und Firmen tätig war. Die Stellungnahme des Ministeriums kann ihn nicht überzeugen. "Webprojekte in Österreich über 100.000 Euro sind selten", sagt Wukonig im Gespräch mit DiePresse.com. Bei Durchsicht von www.lebensministerium.at fallen ihm keine speziellen Dienste und Angebote ins Auge, die den hohen Preis rechtfertigen würden. Ebenfalls kritisch sieht die Beträge Michael Wilke, Gründer des Webunternehmens Designtiger. Sein Unternehmen bietet Websites mit CMS ab rund 1700 Euro an. Er schätzt, dass ein Projekt wie die Homepage des Ministeriums selbst als komplette Eigenentwicklung günstiger gewesen wäre als die genannten Millionenbeträge.

Basissystem nicht selbst entwickelt

Genau so eine Eigenentwicklung dürfte das verantwortliche Land-, Forst- und Wasserwirtschaftliche Rechenzentrum (LFRZ) aber nicht vorgenommen haben. Angesprochen auf Details blockt Michael Graf, bei LFRZ für Markt- und Geschäftsentwicklung zuständig, ab. Sein Unternehmen sei in allem, was den Auftraggeber betreffe, zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nur soviel lässt er im Gespräch mit DiePresse.com durchblicken: "Wir machen keine Individualentwicklungen beim CMS", sagt Graf und verweist auf Lösungen, die am Markt existieren. Immerhin habe das LFRZ auch andere Kunden. Für alle Auftraggeber greife man auf eine angepasste Version der kommerziellen Lösung Magnolia CMS zurück. Insgesamt sind fünf Mitarbeiter für die Dienstleistungen des LFRZ im Bereich CMS zuständig.

Rechnungshof rügte schon 2001

Dass der Auftragnehmer nicht zu den günstigsten Anbietern gehört, hätte Berlakovich allerdings wissen können. Schon im Jahr 2001 prüfte der Rechungshof die Zusammenarbeit von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium und LFRZ. Dabei hielten die Prüfer fest, dass das LFRZ dem Ministerium überhöhte Preise verrechnete: "Die Bilanzgewinne zeigten, dass das LFRZ seine Preise über das kostendeckende Maß hinaus kalkulierte." Er empfahl dem Ministerium, künftig durch Preisvergleiche bzw durch die Ausschreibung der IT-Leistungen Einsparungspotenziale zu lukrieren.

Sowohl die 1,35 als auch die 4,39 Millionen Euro sind eine stattliche Summe, egal für welchen Dienstleister. Bei einem Ranking der Digital-Agenturen für das Jahr 2011 kann die Wiener Agentur kraftwerk mit knapp 11 Millionen Euro Honorarumsatz den Spitzenplatz einnehmen. Sie ist auch für das Design der Homepage des Umweltministeriums verantwortlich. Eine Anfrage bei der Agentur seitens DiePresse.com blieb unbeantwortet.

Viel Geld in Bauernzeitungen

Über den Vorwurf, dass ein guter Teil des Werbebudgets des Lebensministerium an Printmedien „mit untergeordneter oder nicht bekannter Reichweite" geflossen sei, zeigte sich Berlakovich verwundert. Schließlich würden andere Ministerien dafür kritisiert, dass sie in großen Boulevardzeitungen inserieren. Er werde dafür kritisiert, wenn er das genaue Gegenteil tue. Gerade im Umweltbereich gebe es "viele Zeitungen mit geringer Reichweite", die aber "wichtige Zielgruppen" erreichen würden. Fast 11 Prozent der Inserate entfiel 2010 und 2011 auf landwirtschaftliche Printmedien wie die "Österreichische Bauernzeitung", an der auch der ÖVP-Bauernbund beteiligt ist. In konkreten Zahlen waren es 284.293 Euro von fast 2,7 Millionen Euro.

In 94 Prozent aller 2010 geschalteten Inserate lachte Berlakovich selbst aus der Zeitung, wodurch der Eindruck einer Imagekampagne für den Minister entstehe, kritisierte der Rechnungshof. "Bisher war das erlaubt", rechtfertigt sich der ÖVP-Politiker. Verwerflich findet er daran auch heute nichts: "Es ist wichtig, dass der zuständige Minister selbst hinter den Aktionen seines Ressorts steht und sie unterstützt".

29 Millionen Euro für Öffentlichkeitsarbeit

Laut Rechnungshofbericht wurden insgesamt vom Ministerium von 2006 bis 2011 mehr als 29 Millionen Euro für Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben. Fast 30 Prozent davon, 8,7 Millionen Euro, sind der Homepage zuzurechnen. Darin enthalten sind die 4,39 Millionen Euro für die Neugestaltung und die fortlaufende Wartung durch das LFRZ, sowie Aufträge an weitere Unternehmen für die Inhaltsgestaltung.