Die geprüften Geldinstitute deckten sich mit 200 Milliarden Euro frischem Kapital ein. Auch RZB und Erste Group übertrafen die Anforderungen klar.
[Brüssel/london/Apa/Red.] Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat Donnerstag Abend ihren Abschlussbericht zu den Banken-Stresstests vorgelegt. Das Ergebnis: Von Dezember 2011 bis Juni 2012 hat sich die Kapitalbasis der Finanzinstitute um 200 Milliarden Euro erhöht. Für den Löwenanteil davon haben die 27 größten europäischen Banken gesorgt, die eine Aufstockung um 116 Milliarden Euro vorgenommen haben. In Österreich haben Raiffeisen und die Erste Group mit Eigenkapitalquoten von 10,0 bzw. 9,9 Prozent die EBA-Mindestanforderungen an das harte Kernkapital klar übertroffen.
Geld für Realwirtschaft
Die europäischen Banken hätten bedeutende Fortschritte bei der Kapitalaufstockung gemacht, womit die Belastbarkeit des Bankensystems insgesamt in der EU gestärkt worden sei, sagte Andrea Enria, der Vorsitzende der EBA. Mit der Rekapitalisierung und zahlreichen von der EU eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen seien mehr als 200 Milliarden Euro in das europäische Bankensystem eingebracht worden.
Damit seien die Banken heute in einer besseren Verfassung, die Realwirtschaft zu finanzieren. Allerdings müsse der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden. Die EBA werde die Banken auffordern, die Kapitalpläne so zu skizzieren, dass sie mit der kommenden Eigenkapitalrichtlinie der EU übereinstimmten. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zeigte sich erfreut über die Entwicklung und sieht Europa auf dem Weg der Besserung: „Diese finanzielle Konsolidierung verstärkte die Fähigkeit der Banken, die Realwirtschaft dauerhaft zu finanzieren." Der Bericht der EBA zeige auch die gute Zusammenarbeit mit den nationalen Aufsehern. Wichtig sei es, die Regeln zu harmonisieren, wobei Barnier vor allem auch das „Single Rule Book" nannte. Das „Single Rule Book" ist ein Kompendium an Bankenregeln, das derzeit von der EBA erarbeitet wird.
Die österreichische RZB-Gruppe hat per 30. Juni eine Quote an hartem Kernkapital gemäß EBA-Definition von 10,0 Prozent erreicht und liegt damit einen Prozentpunkt über der Vorgabe. Die Erste Group erreichte 9,9 Prozent. Beide Werte enthielten noch nicht die im ersten Halbjahr erzielten Gewinne, erklärten die beiden Banken in den Abendstunden. Die Bank Austria wurde zusammen mit ihrer Mailänder Mutter UniCredit geprüft. Die von den Kapitalvorgaben ursprünglich ebenfalls erfasste ÖVAG gilt seit dem Verkauf ihres Ostgeschäfts nicht mehr als „systemrelevant".
(APA)