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Fünf weitere Studien sollen beschränkt werden

Unis sollen sich selbst
Audimax(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die Koalition dürfte in den kommenden Tagen die Platzzahl in fünf weiteren Studienrichtungen begrenzen. Über die Zugangsbeschränkungen entscheiden sollen letztendlich aber die Hochschulen selbst.

Architektur, Pharmazie, Biologie, Informatik und Wirtschaftswissenschaften – diese Studienrichtungen sollen bereits ab dem Studienjahr 2013/14 beschränkt werden. Darauf dürften sich, wie „Die Presse“ erfuhr, die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP in der kommenden Woche einigen.

Eine Lösung in Sachen Uni-Zugang war eigentlich schon für Ende September angekündigt gewesen, zuletzt hatte Uni-Minister Karlheinz Töchterle eine Übereinkunft mit dem Koalitionspartner in „allernächster Zeit“ in Aussicht gestellt. Inhaltlich spieße es sich „an nix mehr“, so Töchterle.

Das Modell – bei dem derzeit über „die Feinabstimmung“ verhandelt wird – soll vorsehen, dass Zugangsbeschränkungen dann in Kraft treten, wenn die zuvor definierten Kapazitäten einer Uni ausgeschöpft sind, hört man aus Verhandlerkreisen. Sobald sich mehr Studierende melden, als die Universität aufnehmen kann, wäre der Weg zu Platzbeschränkungen frei. Es brauchte dazu keinen gesonderten Beschluss des Parlaments. Entscheiden könnte der Senat der jeweiligen Uni.

 

Auswahl und Plätze noch offen

Offen ist, wie viele Plätze es künftig in den betreffenden Studienrichtungen geben wird, welches Aufnahmeverfahren über den Zugang entscheiden soll und welche Zahlen zur Berechnung der Kapazitäten herangezogen werden. Zuletzt stockten die Verhandlungen. Von beiden Seiten hört man, dass die Terminfindung am jeweils anderen gescheitert sei.

Kolportiert wird, dass die neue Regelung nur bis 2015 gelten soll. Offenbar erhofft sich die Regierung, dass der sukzessive Ausbau der Kapazitäten in den nächsten Jahren sowie die demografische Entwicklung – Stichwort geburtenschwache Jahrgänge – weitere Beschränkungen unnötig machen.

Interessant ist, welche Fächer beschränkt werden sollen. Betroffen sind Biologie und Pharmazie – diese gelten als klassische „Ausweichstudien“ für all jene, die keine Zulassung zum Medizinstudium erlangen konnten. Eine Beschränkung der Architekturstudien war bereits im Jahr 2010 Gegenstand von Verhandlungen, scheiterte damals aber am Widerstand der SPÖ.

Verwunderlicher ist die Aussicht auf Beschränkung des Fachs Informatik, zählt dieses doch zu den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), die zuletzt massiv als „Zukunftsstudien“ beworben wurden. Unklar ist, ob bei einer Beschränkung der Wirtschaftswissenschaften nur die WU Wien betroffen wäre oder ob alle wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtungen unter die Regelung fallen.

 

Ende für lebenslange Sperre?

Der Entwurf soll weiters vorsehen, dass 40 neue Professorenstellen geschaffen werden – wie diese dann auf die einzelnen Unis aufgeteilt werden, ist unklar. Als sicher gelten Änderungen bei der Studieneingangsphase. Wer zwei Mal nicht bestand, war bisher lebenslang für das Fach gesperrt. Diese Regelung dürfte fallen. Stattdessen soll es ein Jahr zur „Umorientierung“ geben.

Wie sich eine Einigung auf die Beschränkung auf das Konzept der Studienplatzfinanzierung auswirkt, ist noch unklar. Zuletzt hieß es, dass erste Elemente des neuen Finanzierungsmodells bereits in die aktuellen Uni-Budgetverhandlungen einfließen sollen. Die Gespräche gestalten sich aber schwieriger als erwartet. Die Rektoren beraten am Montag gar über eine Blockade der Budgets.

(c) Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2012)