"Der Euro zerbricht nicht"

Euro zerbricht nicht
Euro zerbricht nicht(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
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Blackrock-Anleihenexperte Michael Krautzberger glaubt, dass die EZB jetzt das richtige Rezept gegen die Krise gefunden hat. Die Wende zum Positiven habe sich nach der Rede von Mario Draghi im Juli abgezeichnet.

Wien/Ju. „Im Frühsommer konnte man schon sehr skeptisch sein, seither bin ich aber tendenziell deutlich optimistischer geworden.“ Für den Fondsmanager Michael Krautzberger, bei der Fondsgesellschaft Blackrock für das Geschäft mit Euro-Anleihen zuständig, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone zerbricht, nach der jüngsten Entscheidung der europäischen Zentralbank (EZB) zum Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euroländer deutlich unwahrscheinlicher geworden.

„Ich glaube nicht, dass ein großes Land die Eurozone wird verlassen müssen“, meinte Krautzberger im Gespräch mit der „Presse“. Nur Griechenland werde es mit den bisher gesetzten Maßnahmen nicht schaffen. Hier werde es wohl zu einem weiteren Schuldenschnitt kommen müssen. Dieser sei „unvermeidlich“, man werde sich damit aus politischen Gründen aber noch ein wenig Zeit lassen.

Die Wende zum Positiven habe sich nach der Rede von EZB-Chef Mario Draghi im Juli in London abgezeichnet, wo dieser erstmals angekündigt hatte, dass die EZB bei kurzlaufenden Staatsanleihen als „buyer of last resort“ auftreten könnte. Die Ängste, dass dadurch eine unbegrenzte Schuldenunion entstehen könnte, seien durch die Ausgestaltung dieser Maßnahme entkräftet: Zum einen müssten Länder, deren Anleihen von der EZB gekauft werden sollen, zuerst offiziell Hilfen beantragen, womit sie sich Kontrollen unterwerfen. Zum anderen bleibe der Marktdruck am „langen Ende“, also bei Anleihen mit langen Laufzeiten, die von der EZB nicht gekauft werden, aufrecht. Diese Kombination aus „politischem Druck am kurzen und Marktdruck am langen Ende“ sorge dafür, „dass sich kein Land einfach zurücklehnen kann“, meinte der Experte. Allerdings müsse man streng darauf achten, dass die betroffenen Länder nicht ihr Laufzeitenprofil ändern, also nur noch kurzlaufende Anleihen emittieren.

Wie berichtet hatte Deutschland die Staatsanleihenkäufe abgelehnt, der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte im EZB-Rat als Einziger gegen die Ankäufe gestimmt. Krautzberger meint freilich, dass man das nicht so einfach sehen könne: Im EZB-Rat ist neben Weidmann nämlich noch ein zweiter Deutscher, EZB-Direktor Jörg Asmussen, vertreten. Asmussen, der eng mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammenarbeite, habe nicht nur für den Draghi-Plan gestimmt, sondern diesen öffentlich auch noch massiv unterstützt.

„Kurs des Schweizer Franken hält“

Die für viele österreichische Franken-Kreditnehmer existenzielle Frage, ob die Schweizer Notenbank die Landeswährung durch Interventionen weiter beim angepeilten Kurs von 1,20 halten kann, beantwortet der Anleihenexperte eindeutig mit „Ja“. Für eine Notenbank sei es wesentlich einfacher, die eigene Währung zu schwächen als sie zu stärken. Die Schweizer Notenbank bekomme damit zwar große Mengen an Anleihen aus sicheren Euroländern ins Portfolio. Aber wenn der Euro hält, „könne sie damit nicht viel falsch machen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)


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