Strom: Hoffnung auf mehr Wettbewerb

E-Wirtschaft. Die Verbundgesellschaft will nach dem Aus zur Stromlösung wieder Haushalte beliefern.

Wien. In der österreichischen Strombranche könnte es schon bald zu mehr Wettbewerb kommen: Die Verbundgesellschaft, Österreichs größter Stromproduzent, möchte wieder in das Geschäft mit den Haushaltskunden einsteigen. Im Jahr 2003 musste sich der Verbund von dem Erfolg versprechenden Geschäftsbereich trennen. Die EU-Kommission hatte dies zur Bedingung für die Genehmigung der "Österreichischen Stromlösung" (ÖSL), der geplanten Vertriebs-Ehe zwischen Verbund und Energieversorgern aus dem Osten des Landes, gemacht. Der Verbund trennte sich daraufhin von zwei Unternehmen: von "Unsere Wasserkraft", an der der Verbund 50 Prozent der Anteile gehalten hatte, sowie vom 20-Prozent-Anteil an "My Electric". Zusammen hatten beide Unternehmen zu dem Zeitpunkt über 70.000 Kunden verfügt.

Der Verbund hatte sich damals zähneknirschend von dem Wachstumssegment getrennt und beliefert seitdem nur mehr Großkunden. Doch mittlerweile hat sich die Situation für den Verbund entscheidend verändert: Wie berichtet, hat er die Verhandlungen über die ÖSL am Freitag vergangener Woche beendet. Aufgrund minimaler Synergien, die das Beraterunternehmen Booz Allen Hamilton errechnet hatte, sehe er sich "außerstande, die ÖSL-Verträge abzuschließen."

Gestern, Donnerstag, trafen die Verbund-Vorstände mit Vertretern der Energie Allianz (Energieversorger aus Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und dem Burgenland) zusammen, um neue Formen der Zusammenarbeit zu erörtern. Wie die "Presse" aus Verhandlungskreisen erfuhr, hat der Verbund dabei die Belieferung von Haushaltskunden zur zentralen Forderung erhoben. Allerdings hieß es, dass der Verbund in dieses Kundensegment in jedem Fall wieder einsteigen möchte - unabhängig von einer Zusammenarbeit mit anderen Energieversorgern. Schritte in diese Richtung könnten "schon bald" gesetzt werden, hieß es.

Eine Kooperation mit den anderen Energieversorgern macht der Verbund aber auch von einer Reihe anderer Bedingungen abhängig: So fordert der Verbund-Vorstand, dass sich die niederösterreichische EVN und die Wiener Stadtwerke Holding AG von ihrem rund 20prozentigen Aktienpaket am Verbund trennen. Damit soll, so die offizielle Version des Verbund, der Streubesitz erhöht und "die Verbund-Aktie attraktiver werden". Allerdings ist anzunehmen, dass sich der Verbund damit auch eines nicht unwesentlichen Problems entledigen möchte: So sitzt EVN-Chef Burkhard Hofer im Verbund-Aufsichtsrat, wo er allerlei Interna erfährt. Eine Tatsache, die dem Verbund schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist.

Sollte es zwischen Verbund und Energie Allianz in Hinkunft doch noch zu irgendeiner Form der Kooperation kommen, dann wird der Verbund dabei eine gesellschaftsrechtlich dominante Rolle spielen - so lautet jedenfalls eine weitere Forderung der Verbundgesellschaft. "Rein von unserer Börsekapitalisierung her haben wir seit dem Beginn der ÖSL-Verhandlungen stark zugelegt", verlautet aus dem Verbund, "dem soll auch Rechnung getragen werden."

Ob die Energie Allianz auf die Forderungen der Verbundgesellschaft einsteigt, bleibt abzuwarten. Am Mittwoch hatte der Chef der Energie AG Oberösterreich, Leo Windtner, erklärt, die Energie Allianz wolle nach wie vor die ÖSL, allerdings ohne die vom Verbund gewünschten Abstriche.

Der Verbund-Vorstand sieht das allerdings ziemlich gelassen. Schon Ende des vergangenen Jahres meinte Verbund-Chef Hans Haider, dass der Verbund "lieber allein bleiben will."

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