Die Experten der Wiener Privatbank rechnen mit einem guten Quartal für Aktien. Eine Ursache ist der große Investitionsdruck von institutionellen Anlegern.
Wien/B.l. Das Schlussquartal 2012 sowie das kommende Jahr sollten eine gute Zeit für Aktien werden. Dieser Ansicht sind zumindest der Wiener-Privatbank-Analyst Alfred Reisenberger und Wolfgang Matejka von Matejka&PartnerAsset Management. Dafür sprächen die Ankündigungen der Notenbanken, den Markt über Anleihekäufe mit frischem Geld zu fluten, die relativ günstige Bewertung von Aktien im Vergleich zu Anleihen und die hohen Dividendenrenditen.
Vor allem seien die großen institutionellen Investoren (etwa Versicherungen) angesichts der niedrigen Zinsen gezwungen, sich um risikoreichere, aber renditeträchtige Investments umzusehen, meint Matejka. Dabei würden sie vermehrt zu Dividendenaktien greifen. Das dürfte wiederum die Unternehmen zwingen, stabile Dividenden auszuschütten, um für Anleger attraktiver zu werden.
Dividenden attraktiver als Zinsen
Von dieser Entwicklung wären Bluechips (große Konzerne mit stabilem Geschäft) zuerst betroffen. Anleihen dieser Firmen seien weniger attraktiv, da solche Unternehmen nur niedrige Zinsen zahlen. „Die Dividenden sind da oft höher“, sagt Matejka. Zu den Dauerempfehlungen der Wiener Privatbank zählen die Papiere des Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann und des Anlagenbauers Andritz. „Die sind zwar nicht mehr günstig bewertet, die Unternehmen haben aber eine hohe Eigenkapitalrentabilität und einen geringen Verschuldungsgrad“, sagt Reisenberger. Matejka findet Lenzing und Semperit attraktiv.
„Risikoreich, aber interessant“ sind für Reisenberger auch Bankaktien. Dabei würde er jedoch nur zu den großen, systemrelevanten Banken greifen, die nicht vom Markt verschwinden würden: Deutsche Bank, UniCredit, Crédit Agricole. Von kleineren spanischen oder italienischen Instituten sollte man die Finger lassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)