Lustige Hotelnamen sind ein Genre geworden. Doch gerade solche Orte wehren sich gegen den globalen Standard.
Pannen und Triumphe
von ProfisIn Lissabon übernachtete ich manchmal in der Pensão Aleluja im gemütlichen Stadtviertel Estefânia. Vergangene Woche ging ich wieder daran vorbei: Die Einnahmen der Pension speisen sich großteils aus Stundenvermietungen, aber es gibt sie noch. Sogar die struppige Tattoofrau mit der schlechten Laune lungert weiter beim Eingang herum.
Kuriose Hotelnamen sind ja zu einem eigenen Witz-Genre geworden, da wird gern auf das „Resist Bacteria Hotel“ im nordwestchinesischen Kashgar verwiesen, auf das „French Lick Resort“ in Indiana/USA oder den „Abschlepphof“ in Leipzig – während die Amerikaner selbstverständlich das „Ufuk Hotel“ in Istanbul lustig finden. Auch das „Baltic Bitch Hotel“ (wohl Beach gemeint) und die indische „Anu's Lodge“ sind längst Klassiker. Dabei drücken die vermeintlich kuriosen Hotelnamen in vielen Fällen nur Träume, Wünsche und Hoffnungen ihrer Besitzer aus, die noch nicht von einem gleichmacherischen Standard, der sich weltweit durchsetzt, infiziert wurden.
Das für mich prominenteste Beispiel einer gelungenen Unterkunft mit lustigem Namen ist das „Diplomat Fashion Hotel“ in Tirana. Etwas außerhalb des Zentrums gelegen, ist es der Idealfall eines Hotels, und obwohl das Frühstücksbuffet etwas eintönig ist, kann doch keiner klagen. Seinem Namen wird es vielleicht nicht ganz gerecht, Diplomaten würden wohl zurückscheuen, die Inneneinrichtung (Paris, New York, Rom, Urbanität) zeigt aber, wohin man will. Aber eigentlich ist in Tirana – wissen Sie das bereits? – ohnehin alles schön.
Blog: www.amanshauser.at
Nächste Woche: Timo Völker
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)