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Jetzt auch Streit mit der Gewerkschaft

Der Kindergarten-Berufsverband hat nicht zur Demo aufgerufen.

Eigentlich wollten sie Einigkeit demonstrieren. Im Dienste der gemeinsamen Sache hätten Gewerkschaft und der Dachverband der Berufsgruppen der Kindergarten- und Hortpädagogen (ÖDKH) am Samstag gemeinsam für bessere Arbeits- und Rahmenbedingungen für österreichische Kindergärtner demonstrieren sollen. Also weniger Kinder pro Gruppe, dafür mehr Platz für Kinder und Personal, die Abschaffung des gesetzlichen „Fleckerlteppichs“ und höhere Gehälter.

Nur so weit kam es nicht. In einer Mitteilung auf seiner Homepage schreibt der ÖDKH, dass er gehindert werde, „offiziell, organisatorisch, inhaltlich und medial“ bei der Demo kooperativ aktiv zu sein, und daher nicht zur Demo aufrufe.

Grund dafür sind Streitigkeiten im Hintergrund, die drei Wochen vor der Demonstration ausgebrochen sind und die sich bis zum Tag der Protestaktion nicht gelegt haben. So wirft der ÖDKH der Gewerkschaft vor, sie einfach nach monatelangen Vorarbeiten quasi aus dem Organisationsteam geworfen zu haben. „Vor dem Sommer haben wir beschlossen, eine gemeinsame Aktion zu starten. Wir haben die Vorbereitung gemeinsam durchgeführt, haben die Fotos für die Plakate ausgewählt, die Route festgelegt. Und dann bekommen wir einen Anruf, dass es eine Veranstaltung der Gewerkschaft wird“, sagt Raphaela Keller vom ÖDKH. Die Plakate wurden gedruckt, die Einladungen verschickt. Allerdings sind als Veranstalter nur die Gewerkschaft der Privatangestellten, die der Gemeindebediensteten und die Gewerkschaft Vida aufgeführt.


Immer der Proporz. Den Grund für den Ausschluss kennt Keller bis heute nicht. „Wir haben keine Ahnung, was da passiert ist.“ In seinem Schreiben mutmaßt der ÖDKH, dass „parteipolitische Interessen sowie der Proporz“ eine Rolle gespielt haben. Gegen die Demo aufrufen wolle man aber nicht.

Die Gewerkschaft selbst gibt sich ahnungslos. „Das ist völlig an mir vorbeigegangen“, sagt Christian Meidlinger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Von gemeinsamen Vorarbeiten will er nichts gewusst haben.

Diese Eskalation kommt nicht völlig überraschend. Die Beziehung der Gewerkschaft und den Kindergärtnern sei schon vorher belastet gewesen, sagt etwa Heide Lex-Nalis, Kindergartenexpertin von der Plattform Educare. Die Pädagogen würden sich von der Gewerkschaft schlecht vertreten fühlen. Tatsächlich: Während die Interessen der circa 21.500 AHS-Lehrer ständig in den Medien vertreten sind, ist von den Arbeitsbedingungen der 50.000 Mitarbeiter der Kindergärten und -tagesheime wenig bekannt.

Ronald Pötzl von der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten dementiert das. Erst 2010 hätte man mit der Lohnerhöhung für Kindergärtner einiges erreicht. Gespräche, um den verstimmten ÖDKH ins Boot zu holen, hätte es jedenfalls nicht mehr gegeben. „Aber ja klar. Wir sollten alle an einem Strang ziehen“, sagt Pötzl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)