Interview: Sozialstaat als Konkurrent

Experte: Kritik an den Konzernen zielt ins Leere.

Wien. "Die Großkonzerne erzielen immer höhere Gewinne, während immer mehr Menschen ohne Job dastehen." Unter diesem Motto steht die in Deutschland heftig geführte Kapitalismus-Debatte, die allmählich auch nach Österreich überschwappt. Für den Arbeitsmarkt-Experten des Münchner ifo-Instituts, Martin Werding, zielt diese Debatte jedoch ins Leere. "Die momentane Arbeitslosenquote ist keinesfalls dadurch zu erklären", sagt Werding im Gespräch mit der "Presse". "Ich halte es für weit übertrieben, zu sagen, dass die börsenotierten Unternehmen die Hauptschuld an der Arbeitslosigkeit tragen", sagt Werding. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland bei zwölf Prozent.

Arbeitslosigkeit sei vor allem in Deutschland kein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Problem, meint der Experte. "Das Lohnniveau ist zu hoch." Vor allem für schlecht Qualifizierte werden zu hohe Löhne bezahlt, sagt der Münchner Wissenschaftler. Dies rühre vor allem davon, dass viel zu viel an Sozialhilfe und Arbeitslosengeld bezahlt werde. Das hebe das Lohnniveau. "Die Konkurrenz durch den Sozialstaat ist für viele Unternehmen zu groß", meint Werding. Die Folge: Arbeitsplätze werden in Billiglohnländer verlagert.

Wirtschaftsforscher Martin Werding hält nichts von der Theorie, dass höhere Löhne zu höherem Konsum und so wiederum zu neuen Arbeitsplätzen führen. In Ostdeutschland seien die Löhne Anfang der 90er Jahre explosionsartig gestiegen. Dies hab die Wirtschaft jedoch nicht angekurbelt, sondern vielmehr ruiniert.

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