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Weltbank warnt vor Abschwung in Russland und China

Symbolbild(c) AP (Takuro Yabe)
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Russlands Wirtschaft schlittert in die Nähe der Stagnation. Von einer „ernüchternden Prognose“ ist im Weltbankbericht die Rede. China spürt indes die Schuldenkrise in Europa, die auch den Exportweltmeister trifft.

Moskau. Kurz nachdem die Weltbank am Sonntag eine Konjunktureintrübung für Ostasien und vor allem China prognostiziert hatte, hat sie am Montag auch den Prognosewert für das Wirtschaftswachstum in Russland nach unten korrigiert. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt im größten Flächenstaat der Welt dieses Jahr statt der im Juni prognostizierten 3,8 Prozent nur noch mit 3,5 Prozent wachsen. Das sieht auch das russische Wirtschaftsministerium so.

Was für westliche Ohren nach wie vor beeindruckend klingt, bedeutet für eine Transitionsökonomie wie Russland jedoch die Grenze zur Stagnation, wie Ex-Finanzminister Alexej Kudrin betonte. Auch die Weltbank hält fest, dass das Wachstumstempo 2012 „wahrscheinlich das niedrigste in den vergangenen 15 Jahren ist – die Krisenjahre 1998 und 2009 ausgenommen. Und wenig wahrscheinlich, dass sich die Situation 2013 wesentlich bessert“.

Auch Inflationsziel nicht zu halten

Von einer „ernüchternden Prognose“ ist daher im Weltbankbericht die Rede: „Besonders mit Rücksicht darauf, dass die Ölpreise nah an den Rekordwerten und über dem Niveau von 2011 liegen.“ Damals hat das BIP noch 4,3 Prozent zugelegt. Für einen ausgeglichenen Staatshaushalt freilich braucht man auch fortan ein Wachstum von „mindestens vier bis fünf Prozent“, meinte Wirtschaftsminister Andrej Beloussov. Das habe auch damit zu tun, dass Kreml-Chef Wladimir Putin vor den Wahlen eine Reihe zusätzlicher Verteidigungs- und Sozialausgaben mit Erlässen fixiert hat.

Seit Beginn der Finanzkrise ist Russlands Wirtschaft nie mehr auf die früheren Traumwachstumsraten von sieben Prozent zurückgekehrt und hat damit ihre Empfindlichkeit gegenüber der äußeren Konjunktur bewiesen. Zwar lieferte sie im ersten Halbjahr 2012 durchaus gute Resultate, weist einen hohen Leistungsbilanzüberschuss und eine geringe Arbeitslosigkeit auf und hat gute Anzeichen, dass der hohe Kapitalabfluss zurückgeht.

Weil im zweiten Halbjahr aber die Binnennachfrage zu schwächeln begann und die äußere Nachfrage nachließ, drehte sich beim Wachstum laut Weltbank ab dem Sommer der Wind. Mitverantwortlich dafür sei auch der trockenheitsbedingte Ernteausfall gewesen. Und damit werde auch das Inflationsziel von sechs Prozent nicht zu halten sein.

„China hat doppeltes Pech“

Die Weltbank senkte auch ihre Wachstumsprognose für China. 2012 werde das Riesenreich nur um 7,7 Prozent wachsen – statt um 8,2 Prozent, wie bisher angenommen. Ein Hauptgrund dafür ist die Schuldenkrise in Europa, die auch den Exportweltmeister trifft.

„China hat doppeltes Pech“, sagte Weltbank-Volkswirt Bert Hofman. „Die Abkühlung wird getrieben von schwächeren Exporten und einer schwächeren heimischen Nachfrage.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)