Panik im österreichischen Sommertourismus: Ab Ende Juli werden freie Hotelzimmer bei Ebay versteigert. Experten sprechen von einer gekünstelten Hysterie.
WIEN. "Ich bin nicht beunruhigt", sagt Egon Smeral. Den Tourismusexperten des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) lässt die Panikstimmung im heimischen Tourismus kalt. "Ich bleibe bei meiner Prognose. Und davon gehe ich keinen Zentimeter weg."
Vier bis 4,5 Prozent Umsatzwachstum hat der Experte dem Sommertourismus prognostiziert. Den miserablen Juni und das schlechte Wetter Anfang Juli habe er bei seinen Berechnungen berücksichtigt. "In Österreich wird immer bis zur dritten Juliwoche gejammert." Faktum sei, dass der Sommer sich immer mehr in die zweite Jahreshälfte verschiebe. Kultur- und Wein-Tourismus gebe es bis Oktober.
So lange wollen die Hoteliers rund um die heimischen Seen nicht warten. Schon werden "Notpakete" geschnürt. Der Chef der Österreich-Werbung, Arthur Oberascher, startet nun sogar einen "Sommer-Aktionsplan".
Und der sieht unter anderem vor, dass Urlaub in Österreich via Internet versteigert wird. Ab Ende Juli sollen die Gäste mit Hilfe des Online-Aktionshauses Ebay nach Österreich gelockt werden. Die Österreich Werbung übernimmt die komplette Abwicklung. Mit einem Wort: eine kleine Subvention in Sachen Marketing und Vertrieb für die Tourismusbetriebe.
Denn nach wie vor weist die Tourismusbranche weltweit - sieht man vom Drogenhandel und der Telekommunikation ab - die höchsten Zuwachsraten aus. 2004 gab es eine Steigerung bei den internationalen Ankünften von zehn Prozent. Auch heuer werde der weltweite Reisemarkt zwischen sechs und sieben Prozent zulegen, schätzt Smeral. In Europa werden die Auslandsreisen um vier Prozent steigen. Auch nach Österreich werden um ein Prozent mehr ausländische Gäste kommen.
"Ein Prozent ist bei unserem hohen Niveau gut", meint Smeral. Schließlich dürfe man sich nicht mit boomenden Neo-Destinationen wie Dubai vergleichen, sondern müsse nach Bayern, in die Schweiz oder nach Oberitalien schauen. "Und da haben wir die Nase vorne."
Selbst die ungünstige Gäste-Struktur würgt den Wachstumsmotor Tourismus nicht ab. 60 Prozent der ausländischen Gäste kommen aus Deutschland und Holland. Diese Länder befinden sich am Rande einer Rezession. "In Deutschland kann es nur mehr besser werden", meint Smeral. Auch das stimmt für den Fremdenverkehr optimistisch . . .