Schnellauswahl

Berlusconi: „Werde nicht mehr antreten“

Silvio Berlusconi(c) AP (Andrew Medichini)
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Italiens Ex-Premier kündigte an, nicht mehr bei der Parlamentswahl zu kandidieren. Doch nicht alle glauben Silvio Berlusconi.und halten sein Vorgehen für reine Wahltaktik.

Rom. Er habe, sagt Silvio Berlusconi, „immer nur das Wohl des Landes im Auge und nie persönliche Ambitionen“ gehabt. Und weil bei der Spaltung des Mitte-Rechts-Lagers die Gefahr bestehe, dass „Linke und Postkommunisten“ die Parlamentswahl im Frühjahr gewinnen, werde er selbst nicht mehr kandidieren. Was der Ex-Premier da überraschend bei einem Livetelefonat mit einem seiner Fernsehsender am Dienstag ankündigte, klingt nach einer radikalen Wende. Bisher fühlte er sich bei einem Vormarsch der Linken erst recht zu einer eigenen Kandidatur herausgefordert. Ist der 76-Jährige müde geworden?

In Italien ist die Ankündigung durchweg mit Skepsis aufgenommen worden: Jeder hält sie für reine Wahltaktik. Einen realen Hintergrund hat sie trotzdem: Berlusconis Partei, das „Volk der Freiheit“, ist zutiefst zerstritten und wegen vieler Selbstbereicherungsskandale so unglaubwürdig geworden, dass der Gründervater schon überlegt hat, sie aufzulösen und neu zu gründen.

Aber mit wem an der Spitze? Seinem Kronprinzen, Angelino Alfano, hat Berlusconi die Spitzenkandidatur wieder entzogen; nun streiten diverse Strömungen lebhaft um die Vorherrschaft. Gleichzeitig führen die Konkurrenten, die Sozialdemokraten, sämtliche Umfragen klar an.

 

Angst vor Christdemokraten

Zudem gibt es im politischen Zentrum Italiens, gefördert von der kleinen Christdemokratischen Partei (UDC), eifrige Bestrebungen, nach der Wahl eine neue Regierung Monti zu installieren; ersatzweise eine Regierung aus Industriellen, zum Beispiel unter Führung des Ferrari-Chefs Luca Cordero di Montezemolo. Berlusconi befürchtet, dass die Zentristen seinem „Volk der Freiheit“ damit viele Stimmen abjagen. So schlägt er vor, seine achtmal so starke Partei solle sich unter die Fittiche der Christdemokraten begeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2012)