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Strominsel Österreich: Konsumenten zahlen Höchstpreise

Konsumenten zahlen Hoechstpreise Strominsel
(c) APA (Helmut Fohringer)
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Nur in drei EU-Ländern stiegen die reinen Strompreise seit 2006 schneller als hierzulande. Die heimische Stromwirtschaft gibt sich in einer ersten Reaktion verwundert.

Wien. Stromkunden in Malta haben es schwer. Die Insel hat kaum eigene Energiequellen. Elektrizität gibt es nur dann, wenn große Tanker Erdöl und Erdgas anliefern. Das schlägt sich auf den Preis nieder: Zwischen den Jahren 2006 und 2011 stiegen die Strompreise für Private auf der Insel laut Eurostat um 78Prozent. Wie gut, dass Österreich, gut vernetzt, mitten in Europa liegt und über ausreichend günstige Wasserkraftwerke verfügt, könnte man meinen. Doch weit gefehlt.

Die Zahlen der Brüsseler Statistikbehörde zeigen: Die reinen Strompreise steigen hierzulande fast genauso rasant wie auf dem abgelegenen Eiland im Mittelmeer. Der Energieanteil an der Stromrechnung eines österreichischen Durchschnittshaushalts kletterte demnach zwischen 2006 und 2011 um 61Prozent nach oben. In der EU erhöhten nur Malta, Litauen und Spanien die Energiepreise noch schneller.

 

Steuern seit 1996 verdoppelt

Nun machen die Energiekosten in Österreich freilich nur einen Teil des Betrags aus, den die Stromversorger ihren Kunden monatlich abbuchen. Fast zwei Drittel des Gesamtpreises entfallen auf Steuern und Netzgebühren. Die Abgaben an den Staat wiederum haben sich seit 1996 mehr als verdoppelt. Dennoch stellt sich die Frage, warum Strom, der an derselben Strombörse gekauft wird, deutlich günstiger zu deutschen Steckdosen geliefert wird als zu österreichischen.

Die heimische Stromwirtschaft gibt sich in einer ersten Reaktion verwundert. Ein Sprecher des Lobbyverbands Oesterreichs Energie zweifelt an den Zahlen der europäischen Statistikbehörde. Der niedrige Wert für 2006 sei für ihn nicht nachvollziehbar. Aber auch wenn man als Basis die – unbestrittenen – Zahlen aus dem Jahr 2007 heranzieht, zeigt sich deutlich: Die Preise in Österreich stiegen deutlich schneller als im Rest Europas. Während das Land vor fünf Jahren noch im Mittelfeld der 27 EU-Staaten lag, verlangten 2011 nur noch fünf EU-Länder höhere Strompreise von den Verbrauchern als Österreich.

 

Niedrigere Preise für Industrie

Der Grund für diese Entwicklung ist in Österreichs Historie zu suchen, sagt E-Control-Ko-Chef Martin Graf zur „Presse“. Bis zur Liberalisierung zählte die staatlich verwaltete Strombranche hierzulande zu den teuersten am Kontinent. Entsprechend groß war der Druck, als die Bastionen der Landesversorger im Jahr 2001 erstmals aufgebrochen wurden. Die Preise fielen anfangs stark. Nach ein paar Jahren war damit aber Schluss und die – immer noch stark mit dem Staat verbundenen – Energieunternehmen machten sich daran, ihre Liberalisierungsverluste wieder auszugleichen.

Mittlerweile sei es höchste Zeit, die Preise wieder nach unten anzupassen, fordert Graf. Seit gut zwei Jahren sind die Großhandelspreise an den internationalen Strombörsen im Keller. Der staatlich teuer forcierte massive Ausbau der Wind- und Solarenergie in Deutschland flutet Europa mit Billigststrom (siehe unten), sodass sich der Bau konventioneller Kraftwerke nicht mehr lohnt. Diese Strompreissenkungen wurden in Österreich aber nur teilweise weitergegeben, kritisiert die E-Control. „Die Industrie hat die niedrigeren Strompreise bekommen. Die Haushaltskunden und Kleinbetriebe allerdings nicht“, sagt Graf.

Zu einzelnen Preissenkungen der Mitglieder will der Branchenverband nichts sagen. Nur so viel: An Haushaltskunden würden Senkungen, aber auch Erhöhungen an den Börsen nur in abgeschwächter Form weitergegeben. Solange das so bleibt, wird Österreich wohl eine Strominsel bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)