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Vassilakou hält am Parkpickerl fest

Vassilakou haelt Parkpickerl fest
(c) APA/HERBERT P. OCZERET (HERBERT P. OCZERET)
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Zum zweiten Mal hat sich Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou den Fragen der Bürgerinitiativen gestellt. Und sich für Parkpickerl und Neubauten ausgesprochen.

Wien. Sie ist also wieder gekommen, die grüne Wiener Vizebürgermeisterin, genauso, wie sie es versprochen hatte. Es war im Juni vergangenen Jahres, als Maria Vassilakou, damals noch frisch im Amt, in den Pfarrsaal vis-à-vis der UNO-City kam und sich Fragen der Bürger stellte. „Ich komme wieder“, hatte sie damals gesagt, „wir bleiben im Gespräch.“

Mittwochabend war der Pfarrsaal wieder voll. Den Großteil des Publikums stellten Mitglieder transdanubischer Bürgerinitiativen, die ungeduldig mit den Füßen wippten. Auch die Themen waren mehr oder weniger dieselben. Nur der Ton, der war anders. Vergangenes Jahr ließ man Milde walten, heuer wehte ein rauer Wind. „Eine Vizebürgermeisterin ist doch mächtig!“, schmetterte ein älterer Herr Richtung Vassilakou, „Tun Sie endlich was!“, ein anderer.

Eingeladen hatte die „Initiative Lebenswertes Transdanubien“, die auch die Themen vorgab: Verkehr, Bau, Umwelt und Bürgerbeteiligung. Gleich bei Ersterem ließ Vassilakou mit einer Aussage aufhorchen: „Die Parkraumbewirtschaftung ist zum Teil auch für Transdanubien eine Lösung.“ Dadurch könnten Verkehrsberuhigungen und Shared-Space-Räume entstehen, was derzeit an den Parkplätzen scheitere.

Erst einen Tag zuvor hatte Bürgermeister Michael Häupl (SP) gemeint, dass er keine Ausweitung der Parkpickerlzonen wolle. Von koalitionären Verstimmungen war im Pfarrsaal sonst nichts zu spüren. Vassilakou lobte die Stadt in den höchsten Tönen (lebenswert, sozialer Wohnbau, leistbare Mieten), während das Publikum ausgeprägt pessimistisch eingestellt schien (nicht lebenswert, viel zu viel Wohnbau, Mieten nicht leistbar). Ein Balanceakt für die Vizebürgermeisterin, denn den Wortmeldungen nach wollen die Bürger in einer Stadt leben, die keine urbanen Charakteristika aufweist. Grün müsse sie sein, nicht mehr wachsen, keine Neubauten mehr, Ruhe und schmucke Ortskerne.

Freilich, so Vassilakou, das schnelle Wachsen Wiens könne Transdanubien nicht allein tragen. Aber die Stadt werde wachsen, nun gelte es, intelligent auf dieses Wachstum zu reagieren. In anderen Worten: Neubauten ja, aber nur dann, wenn sie auch einen Mehrwert mitbringen (Kindergärten, Supermärkte usw.).

 

„Nicht mein Kompetenzbereich“

Viele Ergebnisse konnte Vassilakou nicht präsentieren (wie auch einige Zuschauer zwischendurch launig bemerkten). Die Bürgerinitiativen wollen keinen Lobautunnel (S1) – sie befürchten unter anderem eine Verschmutzung des Grundwassers –, und Vassilakou stimmt ihnen zu: „Finde ich immer noch unsinnig.“ Auch wenn das Nein für die Grünen immer noch gelte: „Es fällt nicht in meinen Kompetenzbereich.“ Diesen Satz wird Vassilakou noch öfter sagen: Eine Bürgerin will mehr Einbahnschilder (Bezirkssache), eine andere kritisiert (bereits rechtskräftige) Widmungen. Im Gespräch befinde sich Vassilakou jedenfalls mit niederösterreichischen Vertretern, um den Pendlerverkehr in den Griff zu bekommen.

Auch was das Auflassen der S-Bahn-Station Lobau betrifft, laufe ein Mediationsverfahren. Und die Ziesel aus Stammersdorf natürlich: Sie wurden umgesiedelt, damit Neubauten entstehen können – beides für die Zuhörer unannehmbar. Vassilakou: „Sie befinden sich derzeit im Winterschlaf, im Frühling wird man sehen.“ Und: In dieser Gegend werde es keine weiteren Widmungen geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)