Schnellauswahl

Martin Schlaff und die Telekom-Millionen

diskrete Milliardaer Martin Schlaff
(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
  • Drucken
  • Kommentieren

Der Geschäftsmann mit Kontakten in höchste Politkreise lässt sich nicht so schnell aus der Reserve locken. In Österreich wurde der Großaktionär beim Feuerfestkonzern RHI durch die Deals mit der Telekom bekannt.

Wien. Feiner blauer Zwirn, weißes Hemd, hellblaue Seidenkrawatte – elegant, höflich, selbstbewusst: Martin Schlaff wurde bei seinem mit Hochspannung erwarteten Auftritt am Donnerstag vor dem Korruptionsuntersuchungsausschuss seinem Image gerecht. Mit keiner Regung ließ der öffentlichkeitsscheue Milliardär mit dem engmaschigen Netzwerk in höchste in- und ausländische Politkreise Aufschluss über seine Strategie zu. Fotos? Nicht im Verhandlungssaal. Das war Bedingung des 59-jährigen Geschäftsmanns dafür, dass er ins Parlament kam.

Wird der Mann, der bei den Ost-Deals der Telekom Austria in Bulgarien, Serbien und Weißrussland als Türöffner eine Schlüsselrolle gespielt hat, die Republik zittern lassen? Wird er die Geschäftspartner von damals, unter anderem den ehemaligen ÖVP-Obmann Josef Taus und den ehemaligen Telekom-Chef Boris Nemšić belasten?

Die Antwort kam prompt: „Ich werde zu den Telekom-Ostgeschäften nichts sagen.“ Schlaff hatte seine Hausaufgaben gemacht – als Beschuldigter in zwei Strafverfahren (serbische Mobtel und weißrussische Velcom) könne er sich „zu allen Fragen, die damit zusammenhängen, entschlagen“. Von diesem Recht macht der Mann, der mit dem verstorbenen Palästinenserführer Yassir Arafat ebenso befreundet war wie mit Israels Ex-Premier Ariel Sharon, ausgiebig Gebrauch.

„Ich entschlage mich“ – mit diesem Satz und lähmenden Wortgefechten um Verfahrensfragen zermürbt Schlaff die Abgeordneten – bis es mit dem Ausschussvorsitzenden Walter Rosenkranz (FPÖ) zum Eklat kommt. Die Aufforderung von Rosenkranz, einfach mit Ja oder Nein zu antworten, kontert Schlaff scharf: „Herr Vorsitzender, Sie sind ein junger Mann. Wissen Sie, was Kreisky zu Ja-oder-Nein-Fragen gesagt hat? Er sagte, diese Frage sei ihm zuletzt von der Gestapo gestellt worden.“ Die Abgeordneten sind empört. Schlaff entschuldigt sich.

Stefan Petzner (BZÖ) versucht es mit Fakten. Wem gehört die Firma Robicom? Wem die zypriotische Holdenhurst? Als Petzner von Schmiergeldverdacht spricht, verliert Schlaff die Contenance. Das Schreiduell um gutes Benehmen endet mit einer Entschuldigung Petzners. Inhaltlich Erhellendes kann aber auch der Grüne Peter Pilz nicht aus Schlaff herauspressen. Die SPÖ verzichtet gleich auf eine Befragung. Ob das einen tieferen Grund hat oder nur der Frustvermeidung dient, bleibt offen. Immerhin unterstützte Schlaff Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer in wirtschaftspolitischen Fragen.

Dabei hätte der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, der im elterlichen Holz- und Papierhandel (Robert Placzek AG) begann, viel über Ostgeschäfte zu erzählen. Soll doch Schlaff in den 1980er-Jahren für die DDR Scheingeschäfte mit technischen Geräten zum Schaden der BRD gemacht haben. Der Vorwurf verlief allerdings genauso im Sand wie Untersuchungen über mutmaßliche Schmiergeldzahlungen an Sharon.

In Österreich wurde der Opernfan und Großaktionär beim Feuerfestkonzern RHI durch die Deals mit der Telekom bekannt. 2002 kaufte Schlaff (mit Taus und Herbert Cordt als Partner) die bulgarische MobilTel um rund 800 Mio. Euro. Verkäufer war Michail Chernoy – „Freunde nennen ihn Mischa“, wie Schlaff gestern meinte. Der nicht gerade bestens beleumdete Usbeke – von Pilz als „Schwerstkrimineller“ bezeichnet, was Schlaff wiederum als „beleidigend und herabwürdigend“ empfand – suchte einen Käufer, da ihm die bulgarische Regierung mit Lizenzentzug drohte. Schlaff sprang ein, Mittelsmann soll der Diamantenhändler Lew Lewajew gewesen sein. Drei Jahre später verkaufte Schlaff die MobilTel um 1,6 Mrd. Euro an die Telekom. Die Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger sollen laut Pilz 600.000 Euro für Lobbying erhalten haben.

2005 kaufte Schlaff dem serbischen Milliardär Bogoljub Karić dessen Anteile an der Mobtel ab. Im Streit mit Belgrad kam Schlaff der damalige BZÖ-Verkehrsminister Hubert Gorbach zu Hilfe. Schlaff verkaufte den Mobilfunker zwar an die norwegische Telenor, die Telekom erhielt aber eine eigene Handylizenz. In Sachen Mobtel läuft gegen Schlaff ein Verfahren wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit. Das zweite Verfahren betrifft die Velcom. Auch diese Firma reichte Schlaff an die Telekom weiter.

Finanziert wurden viele Deals über die Bawag. Von ihr kam auch das Geld für das von Schlaff und Casinos Austria gegründeten Casino Jericho. Als es 2006 darum ging, mittels einer Kaution Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner aus der Auslieferungshaft zu bekommen, war Schlaff zur Stelle. Die Million dürfte für ihn kein Problem gewesen sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)