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Spanien gerät wieder unter Druck

Spanien geraet wieder unter
(c) Dapd (Joerg Koch)
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S&P stuft Spanien erneut herab, die Märkte und der IWF rechnen mit einem baldigen Antrag Madrids an den ESM. Portugal könnte indes bald auf die Märkte zurückkehren.

Wien/Jil/Ag. Tun sie es oder tun sie es nicht? Die Frage, wann die Spanier denn nun unter den Rettungsschirm ESM schlüpfen, beschäftigte am Donnerstag die Märkte. Denn: Die Ratingagentur Standard& Poor's hatte Mittwochnacht das Land wieder herabgestuft – um zwei Stufen (von BBB+ auf BBB–). Das Land steht jetzt nur noch eine Stufe über einem Junk-Rating. Eine weitere Herabstufung könnte einen Abverkauf spanischer Bonds auslösen, denn BBB– ist das letzte Rating mit „Investment Grade“ – alle Ratings darunter signalisieren ein „spekulatives“ oder „hoch spekulatives“ Investment. Vielen institutionellen Anlegern ist es verboten, solche Papiere zu kaufen.

 

Portugal zurück auf dem Markt?

Dass weder die spanischen Renditen am Donnerstag gestiegen sind noch der Euro merklich nachgegeben hat, lässt sich auf das bereits gespannte Rettungsnetz in Europa zurückführen. Sollte Spanien einen Antrag auf Hilfe durch den ESM stellen und sich den mit der Hilfe verbundenen Bedingungen unterwerfen, könnte die EZB (theoretisch) spanische Anleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen. Der IWF hat Spanien erst kürzlich zum Gang unter den Rettungsschirm geraten. Madrid ließ am Donnerstag die Märkte aber wissen, dass man nicht an einen ESM-Antrag denke und am Sparprogramm festhalten wolle. Die Regierung zeigte sich überrascht über die Entscheidung von S&P: „Wir hatten diese Änderung nicht erwartet“, sagte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Fernando Jimenez Latorre, am Donnerstag.

Aus Portugal, Spaniens Nachbar im Westen, kommen derweil gute Nachrichten. Das Land hat zuletzt Anleihen mit Fälligkeit 2013 in Papiere mit Laufzeit bis 2015 umgetauscht und damit seine Tilgungslast verringert. Irland hatte im Jänner und Juli ähnliche Transaktionen durchgeführt. Nach dem Umtausch platzierte die irische Regierung im Juli Bonds im Volumen von vier Mrd. Euro – und kehrte damit als erstes durch die EU-Partner „gerettetes“ Land erfolgreich auf die Kapitalmärkte zurück. Der portugiesische Anleihentausch könnte ein erster Schritt der Regierung in Lissabon in dieselbe Richtung sein.

 

Schäuble legt sich mit IWF an

In Tokio erhöhte der Internationale Währungsfonds (IWF) den Druck auf Europa. IWF-Chefin Christine Lagarde forderte „mehr Zeit“ für Griechenland. Athen brauche zwei weitere Jahre, um seine Reformen durchzuführen, so Lagarde.

Mit dieser kaum verschleierten Forderung nach einem zweiten Schuldenschnitt für Griechenland stößt Lagarde in Deutschland aber auf taube Ohren. Man werde den Bericht der Troika der internationalen Gläubiger abwarten, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Finanzminister Wolfgang Schäuble fand drastischere Worte: „Das ist einer der Vorschläge, die nicht zielführend sind.“ Auch die Forderung des IWF, Deutschland müsse die Binnennachfrage stärken und in Europa für „Wachstum“ sorgen, will Schäuble nicht hören. Derartige Vorschläge „verraten nicht viel Kenntnis von der Lage in Deutschland“, sagte der Berliner Finanzminister. Am Wochenende beraten die 188 Mitglieder des IWF in Tokio über die weitere Vorgehensweise. Schäuble betont, dass Griechenland nicht aus der Eurozone gedrängt werden soll. Auch die Mehrheit der Deutschen ist laut einer aktuellen Umfragen inzwischen wieder für den Verbleib der Hellenen in der Währungsunion.

Deutsche konjunktur Seite 18

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)