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EU erhält Friedensnobelpreis

Archivbild: Die EU-Flagge(c) REUTERS (TOBIAS SCHWARZ)
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Die prestigeträchtigste Auszeichnung der Welt geht heuer nach Brüssel. Begründung: Die EU habe Europa zu einem "Platz des Friedens" gemacht.

Soziale Unruhen im Mitgliedsland Griechenland, Krisengipfel, eine taumelnde Eurozone: Die EU kam in den vergangenen Monaten nicht aus den Negativschlagzeilen. Am Freitag um Punkt 11 Uhr gab es nach langer Zeit aber endlich wieder eine Jubelmeldung für Brüssel: In einer nicht unumstrittenen Entscheidung vergab das Nobelkomitee die prestigeträchtigste Auszeichnung der Welt an die Europäische Union: den Friedensnobelpreis.

Die EU war in den letzten Jahren immer wieder als "erfolgreiches Friedensprojekt" für die Auszeichnung nominiert worden. Dass die Entscheidung heuer auf die EU fiel, begründete Kommiteechef Thorbjörn Jagland so: Die Europäische Union habe über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen. Sie habe den Kontinent vor allem nach den beiden Weltkriegen stabilisiert und zu einem "Platz des Friedens" gemacht.

Jagland nannte als Beispiel die Aussöhnung zwischen den Gründungsmitgliedern Deutschland und Frankreich. Beide Länder seien in drei Kriege gegeneinander verwickelt gewesen. "Heute ist ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar." Die EU habe auch die demokratische Einwicklung in Südosteuropa gefördert, und osteuropäische Staaten nach dem Mauerfall integriert. Jagland: "Dies ist ein historischer Preis sowohl in langfristiger wie in aktueller Perspektive."

--> Umfrage: Hat sich die EU den Friedensnobelpreis verdient?

Die Entscheidung für die EU wurde von dem fünfköpfigen Nobelkomitee einstimmig getroffen. Das ist insofern bemerkenswert, als das Komitee nach einem Parteienproporz zusammengesetzt ist und deshalb auch zwei EU-kritische Parteien berücksichtigt ist.

Für EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kam die Nachricht der Auszeichnung überraschend, wie er in Brüssel erklärte. Er habe mit "großer Emotion" davon erfahren, der Preis sei eine "große Ehre" für die EU. Die SPÖ-Delegation im Europaparlament feierte mit den Worten: "Wir sind Friedensnobelpreis." Der tschechische Staatschef und EU-Kritiker Vaclav Klaus hielt die Entscheidung dagegen für einen "Scherz". -->weitere Reaktionen

Ungewöhnlich an der diesjährigen Vergabe war, dass die Entscheidung schon vorab durchsickerte: Das norwegische TV berichtete bereits rund eine Stunde vor der Verkündung, dass die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten würde.

Der Friedensnobelpreis ist mit 930.000 Euro dotiert und gilt als prestigeträchtigste Auszeichnung der Welt. Überreicht wird er traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), im Osloer Rathaus.