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Es gibt solche und solche Nobelpreise

Die Auszeichnungen für Literatur und Frieden können nie zeitlose, „objektive“ Wertungen sein.

Einstein, Curie, Heisenberg, Schrödinger, Bohr, Feynman,.. Keiner fehlt. Die Liste der Physiknobelpreisträger repräsentiert perfekt die wirklich wichtigen Physiker des 20. (und 21.) Jahrhunderts. In Chemie und Medizin ist es ähnlich. Anders ist es beim Friedensnobelpreis und auch bei der Literatur: Joyce, Proust, Kafka fehlen, um nur drei der wichtigsten zu nennen.

Der Unterschied ist, dass Preise im Bereich der Humaniora den Charakter von Denkmälern haben. Und Denkmäler erzählen genauso viel über die Zeit, in der sie errichtet wurden, wie über die Zeit, an die sie erinnern sollen. Sie sind selbst Geschichte: Erinnerungsgeschichte. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, die erfolgreich an der Idee des Fortschritts – hin zu mehr Verständnis der Welt – festhalten, haben sich die Geistes- und Kulturwissenschaften von einer solchen linearen Geschichtsauffassung weitgehend verabschiedet. Hin zu mehr Menschlichkeit, gewiss, hoffentlich. Aber wer setzt die Maßstäbe? Zählt nur Freiheit oder doch auch Gleichheit? Wann sind Kriege gerechtfertigt? Wir werden uns nie alle einig werden, und das ist vielleicht gut so.

So wird der Nobelpreis für die EU künftigen Generationen nicht nur über 67 Jahre Frieden in „Kerneuropa“ erzählen, sondern auch über die Krise, die Unsicherheit im Jahr 2012. Aus der heraus man in Schweden ein Denkmal setzte.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)