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Umstrittene Preisträger: Von Arafat bis Kissinger

Jassir Arafat
Jassir ArafatAP
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Die Verleihung des Nobelpreises an Politiker sorgte immer wieder für Verwunderung.

Wien. Die Überraschung war perfekt: US-Präsident Barack Obama war erst ein Dreivierteljahr im Amt, da erhielt er 2009 den Friedensnobelpreis. Für ein „völlig neues internationales Klima“, wie es in der Begründung hieß. Obama hatte mit Sicherheit dafür gesorgt, dass die USA wieder als „netter Uncle Sam“ wahrgenommen wurden. Doch die Verleihung an ihn war durchaus umstritten. Das Argument: Obama habe noch keine konkreten Leistungen erbracht, die des Nobelpreises würdig wären.

Eines von Obamas angekündigten Großprojekten, das seither auf Umsetzung wartet, ist die Lösung des Nahost-Konfliktes. Daran sind freilich schon viele vor ihm gescheitert. US-Präsident Bill Clinton hatte Israels Premier Jitzak Rabin und Palästinenserführer Jassir Arafat auf der Suche nach einem Kompromiss schon relativ weit gedrängt. Für das Resultat der Gespräche, das sogenannte Oslo-Abkommen, erhielten Rabin und Arafat 1994 den Friedensnobelpreis. Oslo brachte aber keine Lösung. Israel und die Palästinensergebiete wurden erneut Schauplatz von Gewalt und Arafats Rolle dabei machte ihn zu einem der umstrittensten Nobelpreisträger. Arafat zog in den Palästinensergebieten ein autoritäres, korruptes Regime hoch. Und Israel warf ihm vor, Gruppen zu finanzieren, die Attentate auf israelische Zivilisten verübten.

 

Sterben in Vietnam ging weiter

Für Kritik sorgte auch die Verleihung des Friedensnobelpreises 1973 an US-Außenminister Henry Kissinger und den nordvietnamesischen Politiker Le Duc Tho. Beide hatten in Paris Verhandlungen geführt, die im Abzug der US-Truppen aus Vietnam mündeten. Zuvor hatte Kissinger aber die Luftangriffe in Indochina noch ausweiten lassen. Und auch nach dem US-Rückzug ging das Sterben weiter. 1975 marschierten nordvietnamesische Truppen in Saigon, der Hauptstadt des Südens, ein. Nordvietnams Regime, in dem Le Duc Tho eine wichtige Rolle spielte, sperrte Tausende in Lager.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)