Deutsche Bildungsstudie: Bayern hängt andere Bundesländer ab

Deutsche Bildungsstudie Bayern haengt
(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Neue Studie, alte Probleme: Die Grundschüler der deutschen Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen hinken hintennach.

Wien. Deutschland ist um eine Bildungsstudie reicher. Kürzlich wurden erstmals die Kompetenzen der Schüler der vierten Schulstufe in den Bereichen Lesen, Zuhören und Mathematik landesweit getestet. Ziel der Ländervergleichsstudie war, zu überprüfen, inwieweit die Schüler den deutschen Bildungsstandards, auf die sich die Kultusministerkonferenz vor acht Jahren geeinigt hatte, gerecht werden. Die Standards legen fest, was ein Schüler am Ende der Grundschule (entspricht der Volksschule, Anm.) können muss.

Die Studie zeigt einmal mehr, dass die einzelnen Bundesländer höchst unterschiedlich abschneiden. Ein Grund: Bildungspolitik ist in Deutschland Ländersache. Die neue Studie liefert ein ähnliches Bild wie bisherige Untersuchungen: Die südlichen Bundesländer im Westen und im Osten Deutschlands schneiden sehr gut ab, während insbesondere die Stadtstaaten mit großen Defiziten zu kämpfen haben. So haben die bayrischen Schüler in allen überprüften Bereichen am besten abgeschnitten, die schlechtesten Ergebnisse erzielten die Grundschüler aus Hamburg, Berlin und Bremen. Dort verfehlten über 20 Prozent der Schüler die Mindestanforderungen im Lesen, in Mathematik erfüllte gar die Hälfte der Schüler die Mindestanforderungen nicht. Bayern lag hingegen in allen Bereichen über dem deutschen Mittelwert.

Aber auch in Bayern ist nicht alles eitel Wonne: Dort schlägt sich die soziale Herkunft am stärksten nieder, wie die Erhebung zeigt. Leistungsstarke Schüler aus gebildeten Elternhäusern sind im Lesen 1,5 Schuljahre weiter als leistungsschwache Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern. Dieser Befund trifft aber nicht nur auf Bayern zu – bundesweit zeigt sich im Bereich Lesen ein deutlicher Vorsprung von Kindern, die aus bildungsnahen Familien kommen. Nur im Bundesland Sachsen zeigt die Studie kaum Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft und dem Leseerfolg der Schüler auf. Aber nicht nur der soziale Hintergrund ist ausschlaggebend für unterschiedliche Leseleistungen – auch das Geschlecht.

 

Mädchen hängen Burschen ab

Das Geschlecht hat in Deutschland nach wie vor starken Einfluss auf schulische Leistungen. So sind die Mädchen (bundesweit betrachtet) ihren männlichen Kollegen im Lesen um ein Drittelschuljahr voraus. Im Bereich Rechtschreibung hängen sie die Burschen gar um den Lernfortschritt eines halben Jahres ab. In Mathematik ist das Bild erwartungsgemäß umgekehrt, wenngleich der Vorsprung der Buben mit gut einem Fünftelschuljahr kleiner ausfällt als der Vorsprung der Mädchen in den anderen Bereichen. Über die Gründe dafür gibt die Studie allerdings keinen Aufschluss.

Aber auch beim Lehrpersonal zeigen sich deutliche Ungleichheiten in Bezug auf die Geschlechter. Zuallererst: Mehr als 80 Prozent der Lehrkräfte im Grundschulbereich sind Frauen – ähnlich wie in Österreich. Die Lehrerbefragung, die im Zuge der Ländervergleichsstudie durchgeführt wurde, zeigt auch, dass viele Lehrer Fächer unterrichten, die sie gar nicht studiert haben. Im Bereich Deutsch trifft das auf 17Prozent zu, in Mathematik sogar auf 27 Prozent. Das bleibt nicht ohne Folgen: So zeigt sich in Mathematik durchaus ein Zusammenhang zwischen dem Anteil fachfremd unterrichtender Lehrkräfte und den Kompetenzen, die die Schüler erreichten – sie sind signifikant niedriger angesiedelt.

Auf einen Blick

Die Ländervergleichsstudie wurde vom deutschen Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) durchgeführt. Dabei wurden erstmals auf Basis der deutschen Bildungsstandards die Kompetenzen der Schüler der vierten Schulstufe in den Bereichen Lesen, Zuhören und Mathematik landesweit überprüft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)