Die Bank fährt in dem Krisenland das Geschäft zurück. Ein kompletter Rückzug kommt aber nicht infrage. An den Details arbeite man noch. Slowenien wurde besonders stark von der Wirtschaftskrise getroffen.
Wien. Die Raiffeisen Bank International (RBI) reagiert auf die schwierige Wirtschaftslage in Slowenien und fährt dort das Geschäft zurück. Mehrere slowenische Zeitungen berichteten am Dienstag, dass möglicherweise die Hälfte der 326 Mitarbeiter abgebaut wird. Eine Sprecherin der RBI wollte sich gegenüber der „Presse“ auf keine Zahl festlegen. Es stimme aber, dass das Geschäft in Slowenien „redimensioniert“ werde. Dies werde zu einer Anpassung der Ressourcen führen.
An den genauen Details arbeite man noch. Sobald diese feststehen, möchte die Bank zuerst die Mitarbeiter und dann die Öffentlichkeit informieren. Ein kompletter Rückzug aus Slowenien kommt aber nicht infrage.
Slowenien gehört zu jenen Ländern in Osteuropa, die besonders stark von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen wurden. Österreichs Nachbarstaat kämpft gegen den Bankrott. Seit Monaten wird spekuliert, dass Slowenien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen wird.
Raiffeisen erwarb in Slowenien vor zehn Jahren die „Krekova Banka“. „Die Perlenkette ist nun vollständig. Mit der Krekova Banka kam ein slowenischer Brillant zum Zug“, erklärte RBI-Chef Herbert Stepic damals. Heute verfügen die Giebelkreuzer in Slowenien über 17 Filialen und über ein Geschäftsvolumen von 1,7 Mrd. Euro. 2011 wurde dort ein Verlust von sechs Mio. Euro erwirtschaftet, im ersten Halbjahr 2012 war das Ergebnis ausgeglichen.
Schwierige Ertragslage
Auch andere österreichische Banken haben in Slowenien Probleme. Die staatliche Hypo Alpe Adria tauschte im Vorjahr bei der Tochter in Laibach zahlreiche Manager aus. Diese sollen in fragwürdige Geschäfte verstrickt gewesen sein. Die Betroffenen bestreiten dies.
Die Erste Bank ist in Slowenien über die Kärntner Sparkasse vertreten. Die Slowenien-Tochter der Sparkasse schrieb 2010 einen Verlust von 4,3 Mio. Euro, im Vorjahr lag das Minus bei 800.000 Euro. Anfang Oktober wurde in Slowenien ein neuer Generaldirektor eingesetzt. „Wir haben aber keinen großen Abbauplan“, sagt Gabriele Semmelrock-Werzer, Chefin der Kärntner Sparkasse.
Bei der Slowenien-Tochter der Bank Austria ging im ersten Halbjahr 2012 der Vorsteuergewinn um 30 Prozent auf 6,7 Mio. Euro zurück. Die Bank Austria, die in Slowenien in 29 Filialen 562 Mitarbeiter beschäftigt, plant keine Restrukturierung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)