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Euro-Austritte: Frankreich wäre der große Verlierer

EuroAustritt Griechenlands koennte Flaechenbrand
(c) Gepa (Andre Lavadinho)
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Was passiert, wenn Griechenland & Co. die Eurozone verlassen? Eine Studie zeigt: Kein anderes Land wäre so massiv betroffen wie Frankreich.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der deutschen Bertelsmann Stiftung kommen die Autoren zu dem Schluss: Isoliert betrachtet wäre ein Staatsbankrott Griechenlands und sein Euro-Austritt "für die Weltwirtschaft ökonomisch verkraftbar". Brenzlig wird es demnach aber, wenn weitere Dominosteine fallen, zumal es nicht auszuschließen sei, "dass die Kapitalmärkte dann auch Portugal, Spanien und Italien das Vertrauen entziehen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten kommt. Die Weltwirtschaft würde dadurch in eine tiefe Rezession fallen."

Nach Berechnungen der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 Wachstumseinbußen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden. "Die internationale Staatengemeinschaft sollte daher einen Staatsbankrott und Euroaustritt Griechenlands verhindern, um die damit verbundenen möglichen Dominoeffekte zu vermeiden", schreiben die Autoren.

Griechen kommt Grexit teurer als Deutschland

Deutschland müsste demnach allein bei einem Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum bis 2020 mit 73 Milliarden Euro Einbußen bei der Wirtschaftsleistung rechnen. Dazu kämen 64 Milliarden Euro Einmalkosten für den "Grexit" durch Abschreibungen auf Forderungen privater und öffentlicher Gläubiger. Gemessen am BIP sind das rund 2,9 Prozent. Griechenland käme die Rückkehr zur Drachme weitaus teurer: Den Berechnungen zufolge müsste sich das Land auf 164 Milliarden Euro Wachstumsverluste bis 2020 einstellen.

Bei den Szenarien wurde unterstellt, dass private wie öffentliche Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten müssten. Zudem wurde angenommen, dass eine neue griechische Währung um 50 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet würde.

Frankreich wäre größter Verlierer

Ein Euroaustritt Portugals wäre noch verkraftbar, hätte aber schon massive Folgen - vor allem für Frankreich. Die Franzosen würden Einbußen in Höhe von 17,6 Prozent des BIP erleiden, heißt es in der Studie, die "Spiegel Online" vorliegt. Das Wirtschaftswachstum des Landes würde um ein Prozent gedrückt werden. Ein zusätzliches Ausscheiden Spaniens und Italiens würde überhaupt "beispiellose ökonomische Eruptionen in ganz Europa und weltweit" auslösen. Das Ausmaß wäre demnach "mit heutigen Maßstäben von Begriffen wie 'Krise' nicht zu messen". "Wenn es in Europa den Bach runtergeht, trifft das auch China und die USA", zitiert "Spiegel Online" Studienautor Thieß Petersen.

Bemerkenswert sei, wie stark Frankreich von Euroaustritten südeuropäischer Länder sei. Der Schaden könnte bis zu 154,4 Prozent des französischen BIP ausmachen. Das ist der mit Abstand höchste Wert aller untersuchten Länder. Die Erklärung dafür liegt nicht nur im starken Engagement französischer Banken in den Krisenländern, sonder auch in der gleichzeitig steigenden Wettbewerbsfähigkeit der austretenden Länder. "Frankreich wird gewissermaßen durchgereicht", sagt der Prognos-Ökonom Michael Böhmer.

Auswirkungen auf 42 Länder simuliert

Das Besondere an der Studie: Die Studienautoren haben nicht nur die Verluste von Gläubigern der Krisenländer berechnet, sondern mit Hilfe eines Modells auch die Auswirkungen auf das Wachstum in den 42 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (diese machen 90 Prozent der Weltwirtschaft aus) simuliert.

Griechenland hofft indes weiter auf die nächste Milliardenhilfe der internationalen Partner. Ein positiver Bericht der "Troika" aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Voraussetzung für die Auszahlung der 31,5 Milliarden Euro. Kurz vor dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag (18./19.10.) hatte die Deutsche Bundesregierung um Vertrauen für Griechenland geworben.

(APA/dpa)