Alpha Centauri, so fern und doch so nah

Das unserer Sonne nächste Sternensystem hat (mindestens) einen Planeten. Science-Fiction-Autoren „wussten“ das schon lang.

Von der Sonne abgesehen, ist uns kein Stern so nah wie Alpha Centauri C im Sternensystem Alpha Centauri. Würde man ein Raumschiff auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, wäre es nach wenigen Jahren dort. Ein heutiges Raumschiff à la Voyager1 würde ein wenig länger brauchen: 40.000 Jahre, es sind ja auch 40 Billionen Kilometer.

Aber auch wenn diese Art kosmischer „Nähe“ die Vorstellungskraft durchschnittlicher Erdenbürger sprengt, die Science-Fiction-Fantasie wird dadurch seit Langem angeregt. Mit Ausnahme von Astronomen hat sich keine Berufsgruppe so um Alpha Centauri gekümmert wie die Autoren, kaum ein anderes Sternensystem wurde so oft mit Lebewesen bevölkert.

Nun ist bekannt, dass Alpha CentauriB einen Planeten hat. Spekuliert wurde schon lange darüber, erfunden wurden schon viele. Alpha-Centauri-Planeten spielen in der TV-Serie „Lost in Space“ ebenso eine Rolle wie im Film „Transformers“ oder „Avatar“. Letzterer spielt 2154 auf dem Mond Pandora, der um einen Alpha-Centauri-Planeten kreist. Auf Pandora lebt eine menschenähnliche Spezies, außerdem findet man Säugetiere und Grünpflanzen. Die Atmosphäre ist allerdings Gift für den Menschen. Wenigstens ist es nicht so heiß wie auf dem realen Alpha-Centauri-Planeten; dort hat es über 1000 Grad Celsius.

Zum Leben erweckt wurde Alpha Centauri allerdings fast 70 Jahre früher während des Zweiten Weltkriegs, und zwar von einem Frontmann aus der „goldenen Zeit“ der Science-Fiction, A.E. Van Vogt. In der Kurzgeschichte „Far Centaurus“ lassen sich die Allreisenden auf ihrer jahrhundertelangen Reise zu Centaurus einfrieren. Auf dem Planeten Pelham angekommen und wieder aufgetaut müssen sie feststellen, dass Menschen schon viel früher auf die Idee zu dieser Reise gekommen sind, und ihnen nun technologisch überlegen sind. Auch in „The Magellanic Cloud“ von Stanislaw Lem finden die Menschen eine ihnen weit überlegene Zivilisation vor, Philip K. Dick lässt gleich eine ganze Menge aufmarschieren. Auch Arthur C. Clarke kam nicht drum herum, wie manch weiterer Klassiker.

Doch keiner ließ die Reise so enttäuschend enden wie während des Kalten Kriegs Edmund Cooper. In „Seed of Light“ hat Alpha Centaurus keinen Planeten; die Reise der vor dem Nuklearkrieg geflüchteten Menschen erweist sich als vergeblich.

Aber wenn uns Alpha Centauri so „nahe“ steht, warum eigentlich kommt uns sein von den altgriechischen Pferdemenschen entlehnter Name nicht ähnlich vertraut und assoziationsbeladen über die Lippen wie etwa Sirius, der vor Jahrtausenden Ägypter, Griechen, Römer faszinierte? Weil man ihn von Europa aus nicht sieht. Sein Mythos so jung wie die moderne Astronomie.

anne-catherine.simon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.