Feuerwerke: "Hat Branche tot gemacht"

"Spenden statt Böller" lautete der Aufruf von Politikern zu Silvester. Tatsächlich wurden infolge der Flutkatastrophe um 30 Prozent weniger Feuerwerkskörper verkauft.

wien. "Man hat politisch eine Branche tot gemacht", entrüstet sich Walter Küchl, Geschäftsführer der Wachauer Feuerwerksfabrik Pinto. Bis zu 30 Prozent weniger Umsatz zu Silvester musste sein Unternehmen verzeichnen.

Im langjährigen Durchschnitt werden in Österreich ungefähr acht Millionen Euro mit Feuerwerkskörpern im Silvester-Geschäft umgesetzt. Diesmal waren es aber weniger: Die Österreicher scheinen dem Aufruf der Bundesregierung, heuer auf Raketen zu verzichten und stattdessen für die Flutopfer zu spenden, nachgekommen zu sein.

Die Aufforderung zum Raketenverzicht wird aber von der Feuerwerks-Branche scharf kritisiert. Neben Küchl ist auch Hans Liebenwein, Inhaber von Liebenwein Pyrotechnik, verärgert. Es werde hier gegen eine Sparte massiv vorgegangen, kritisiert der Kärntner Hersteller von pyrotechnischen Artikeln. Die Folgen seien noch nicht absehbar. Denn bis zur nächsten Woche könnten Feuerwerkskörper noch zurückgegeben werden. Mit bis zu 25 Prozent Umsatzrückgang müsse jedenfalls gerechnet werden

Auch Christian Czech von Pyrovision weist auf die fatale Situation der Sparte hin. Der gewaltige Schaden werde nicht nur die Unternehmer treffen: "In den nächsten Tagen werden in der Branche Leute entlassen werden müssen."

Nicht nur viele Privatpersonen, auch österreichische Städte verzichteten aufgrund der Flutkatastrophe in Südostasien auf die Feuerwerke. Fraglich bleibt aber, wie viel sich die Städte dadurch erspart haben. "Die Stornogebühren betragen 100 Prozent", erklärt Dieter Hardt-Stremayr, Geschäftsführer von Graz Tourismus. Er hoffe aber, aus Kulanz einen Nachlass vom Aufsteller des Feuerwerks zu bekommen.

Dasselbe gilt für die Nebenkosten: Auch für die Leihgebühr der Sperrgitter oder die Bereitstellung des Rot-Kreuz-Wagens müsste die Stadt trotz Feuerwerk-Absage voll aufkommen. Ob das nach Verhandlungen eventuell eingesparte Geld den Flutopfern zugute kommt, müsse der Aufsichtsrat von Graz Tourismus entscheiden.

Auch für das ebenfalls abgesagte Feuerwerk in Wien gibt es keine Rücktrittsklausel im Vertrag, betont Barbara Schwarzinger von Wien Marketing. Auch sie hofft auf ein Entgegenkommen des Feuerwerk-Betreibers.

In Salzburg hingegen sind die Verhandlungen bereits abgeschlossen. Die Mozartstadt entschloss sich zu Silvester aus Gründen der Pietät, nur zwei Drittel des geplanten Raketensortiments abzuschießen. "Das verbliebene Drittel muss nicht bezahlt werden", erklärt Johannes Greifeneder, Pressesprecher der Stadt Salzburg. Die für das Feuerwerk verantwortliche Firma Pyrovision werde dafür keine Kosten verlangen, das so gesparte Geld werde an die Flutopfer gespendet werden, erläutert Greifeneder. Bei Pyrovision bestätigt Czech, dass aus Kulanz eine Rücknahme erfolgte. Für die Verhandlungen mit Wien und Graz, für die ebenfalls sein Unternehmen die Feuerwerke bereitgestellt hat, lässt Czech aber noch alles offen.

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