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"Alles ist weg": Der schwärzeste Tag der Wall Street

Alles schwarze Montag Jahren
(c) AP
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Es war der größte Kursrutsch innerhalb eines Tages an der Wall Street. Am 19. Oktober 1987 fiel der Dow-Jones-Index um 22,6 Prozent.

Am 19. Oktober 1987 brach der Dow Jones um 508 Punkte - fast 23 Prozent -ein. Es war der erste große Börsen-Crash seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Folge: Weltweit gingen die Aktienmärkte auf Talfahrt. Auch Tokio erlebte den schlimmsten Kurssturz in der Geschichte der japanischen Börse und die Börse in Hongkong wurde für den Rest der Woche geschlossen.  "Die Verkaufsaufträge gingen waschkörbeweise ein", erinnert sich 25 Jahre später Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser laut "Focus Online". "Viele Makler waren total überfordert, manche Kollegen übernachteten sogar in der Börse, die Pizzadienste hatten Hochkonjunktur."

"Es machte Klick. Es war, als würden die Zuschauer eines voll besetzten Theaters versuchen, durch einen einzigen Ausgang nach draußen zu gelange", schildert Finanzprofessor Chris Lamoureux der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Situation. Die Börsianer gerieten in Panik. "Die Menschen quollen buchstäblich aus dem Gebäude der Börse heraus. Sie strömten auf die Straße, stolperten übereinander. Männer weinten und sagten: 'Es ist weg, alles ist weg'", so Mike Earlywine laut "Handelsblatt". Er war damals ein junger Angestellter bei Salomon Brothers.

"Fünf-Null-Acht runter": Greenspan atmet durch

In den Jahren vor dem Crash hatte die US-Börse einen gewaltigen Höhenflug hingelegt. "Seit 1982 trampelten die Bullen durch die Wall Street", schrieb "Spiegel Online". Es war die Zeit der feindlichen Übernahmen - meist auf Pump finanziert. Die Kurssprünge waren zumeist deutlich größer als der Zuwachs der Unternehmensgewinne. "Ich habe nie gedacht, dass ich in meiner Amtszeit einmal so kurz vor der finanziellen Kernschmelze stehen würde", zitierte "Der Spiegel" 1987 den New Yorker Börsenpräsident John J. Phelan.

Der gerade erst ins Amt gerutschte US-Notenbankchef Alan Greenspan saß laut "FAZ" im Flugzeug von Washington nach Dallas. Als er losflog, waren die Kurse bereits gefallen und er war besorgt. An Bord gab es damals noch kein Telefon. Seine erste Frage am Boden lautete also, wie der Schlussstand des Dow Jones sei. "Er ist Fünf-Null-Acht runter", lautete die Antwort. Greenspan zeigte sich, beruhigt, wie in seinen Memoiren nachzulesen ist. Er dachte nämlich, dass der Dow Jones um 5,08 Prozent gefallen sei. Tatsächlich entsprachen die 508 Punkte aber rund 22,6 Prozent.

Hochfrequenzhandel als Risiko

Schon damals stellte sich heraus, dass Computer den rasanten Absturz beschleunigt hatten. "Angefacht wurde der Aktien-Hype von neuen, doch noch primitiven elektronischen Handelssystemen an den Börsen, die es erlaubten, viel schneller und viel mehr auf einmal zu handeln als bisher", so "Spiegel Online". Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Mai 2010 vernichtete ein "Flash-Crash" an der New Yorker Wall Street binnen weniger Minuten fast 1000 Milliarden Dollar an Marktwert.

Zuletzt häuften sich die weltweiten Börsenpannen (mehr dazu...). Der Hochfrequenzhandel entwickelt sich nach Einschätzung von Experten zunehmend zum allgemeinen Risiko: Durch die automatisierten Kauforders in großem Stil können bestimmte Aufträge innerhalb von Millisekunden eine Art Computer-Herdentrieb mit gewaltigen Kursschwankungen auslösen.

Hochfrequenzhandel: Anteil verdoppelt

Dennoch hat der computergestützte Handel an den Aktienmärkten Hochkonjunktur. In nur fünf Jahren verdoppelte sich der Anteil der Papiere, die nicht mehr von Menschen, sondern von superschnellen Computern hin- und herbgeschoben werden auf 60 Prozent. Das System dahinter ist einfach: Hochfrequenzhändler überfluten den Markt mit Kauf- und Verkaufsorders, um nach geringsten Preisunterschieden zu suchen. Kann der Computer etwa ein Euro-Future in Hongkong um 0,0003 Cent billiger kaufen, als er es zur selben Zeit in New York verkaufen kann, schlägt er zu und streift die Differenz ein, berichtete "Die Presse".

Peter Gomber, deutscher Professor für e-Finance, warnt aber vor einer überzogenen Regulierung als Antwort auf Börsencrashs. "Die Regulierung darf sinnvolle Handelsstrategien - auch von Hochfrequenzhändlern - nicht verhindern", sagt er. "So zielen diese zum Beispiel darauf ab, aus Preisdifferenzen am Markt oder aus der Geld-Brief-Spanne Erträge zu erzielen. Dadurch steigt die Liquidität und Preiseffizienz im Markt." Zudem sei aus dem "Schwarzen Montag" gelernt worden. "Es wurde die Möglichkeit geschaffen, den laufenden Handel für längere Zeit auszusetzen oder für den jeweiligen Tag sogar ganz zu beenden, wenn der Index um mehr als zehn Prozent abstürzt", so Gomber.

(phu)