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Schlecker neu: "Umstellung nicht von heute auf morgen"

Schlecker Umstellung nicht heute
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Dayli steckt im Umbau. Teilweise klebt der neue Name auf dem Fenster, auf der Fassade darüber der alte. Skeptische Lieferanten machen dem neuen Eigentümer zu schaffen.

Wien. Lachende Menschen, jung und alt, Hunde und Katzen, eine Flasche Parfum, eine Tastatur mit einer Taste, die einen Einkaufswagen zeigt: Das bunt bedruckte Klebeband zieht sich quer über die Fenster der ehemaligen Schlecker-Filiale in Wien Mariahilf und gibt einen Vorgeschmack auf das, was aus der Handelskette einmal werden soll: „Dayli mein Shop“ steht in weißer Schrift auf einem kreisrunden türkisen Logo; der Aufkleber an den Fenstern ist neben der neuen Kundenzeitung oft das Einzige, was in den Filialen auf einen neuen Eigentümer hinweist.

Dayli steckt im Umbau. Teilweise klebt der neue Name auf dem Fenster, auf der Fassade darüber der alte. Ende Juli hat der Investor Rudolf Haberleitner mit seinem Fonds TAP 09 das mehr als 900 Standorte umfassende Filialnetz von Schlecker Österreich gekauft – und viel versprochen: Die TAP Dayli Vertriebs GmbH sollte nicht einfach als Drogeriemarkt bestehen bleiben, sondern Lebensmittel, Poststellen, Kopiercenter und Homeshopping-Terminals bieten.

Mitte Oktober ist davon noch wenig zu sehen. Regale und Sortiment haben sich nicht verändert; augenfällig sind hingegen größere und kleinere Löcher im Sortiment, die stark an die Zeit erinnern, als Dayli noch Schlecker hieß. Zuweilen steht nur eine Seife an vorderster Regalfront, dahinter nichts; oder einige wenige Getränkeflaschen bedecken nur kärglich das darunterliegende Regal: Mancher Lieferant zeigt sich gegenüber dem neuen Eigentümer skeptisch. Viele haben bei der Insolvenz der deutschen Mutter draufgezahlt, weil sie gelieferte Waren abschreiben mussten, erzählt ein Insider.

„Die Schwierigkeit für die neuen Eigentümer besteht nun darin, ihnen den Unterschied zwischen Schlecker und Dayli zu erklären“, sagt ein anderer. Zumal Warenkreditversicherer wie Prisma und Coface sich nach wie vor weigern, Versicherungen abzuschließen. Sie wollen die geprüfte Bilanz des Jahres 2011 sehen, die noch nicht vorliegt. „Nächste oder übernächste Woche sollte sie fertig sein“, sagt Eigentümer Haberleitner.

 

Zwei neue Geschäfte geplant

Die Ursache für die Verzögerung sei in der Zeit zu suchen, in der Arndt Geiwitz, der Masseverwalter der insolventen deutschen Gesellschaft, versucht hat, Schadensbegrenzung zu betreiben. Er habe die Bilanzprüfung für die österreichische Gesellschaft abbrechen lassen, offenbar, weil er geglaubt habe, auch sie würde in die Insolvenz schlittern. „Nach der Übernahme haben wir die Prüfer verständigt, dass sie weitermachen sollen“, sagt der neue Eigentümer Haberleitner.

Die Lieferanten gewähren Daily äußerst kurze Zahlungsziele: „Das plagt uns.“ Doch die Warenbestände in den Geschäften seien seit der Übernahme von 30 auf rund 80 Prozent angewachsen. „Schlecker war ein schwerer Sanierungsfall“, sagt Peter Krammer. Der Manager, der 20 Jahre bei DM Österreich arbeitete und die Viva-Tankstellen-Shops für die OMV aufbaute, ist seit August Geschäftsführer von Dayli: „Eine solche Umstellung funktioniert nicht von heute auf morgen.“

Man werde sich ansehen, wie das neue Konzept funktioniert. Im Waldviertel und in Klosterneuburg sollen im November zwei neu konzipierte Läden aufsperren. Das Konzept werde ausgeweitet, je nachdem, wie es ankommt, sagt Haberleitner. Auf ihn und sein Team wartet in jedem Fall noch jede Menge Arbeit. Für Geschäftsführer Krammer kein Problem: Er liebt Herausforderungen.

Auf einen Blick

Neuer Name, alte Läden: Ein Logo mit der Aufschrift „Dayli“ ziert die ehemaligen Schlecker-Filialen. Erst im November sollen zwei Läden mit dem neuen Konzept eröffnen (inklusive Lebensmittel, Copycenter etc.). Lieferanten machen unterdessen Probleme: Die Zahlungsziele sind kurz, Warenkreditversicherer streiken noch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)